Die 8. Nonfiktionale ist nach vier spannenden und intensiven Festivaltagen zu Ende gegangen. Das diesjährige Motto "Schauplätze" lenkte den Blick auf filmische Räume. 16 Filme erzählten von der Wechsel-beziehung Mensch und Raum.

Mit einer feierlichen Preis-verleihung endete am 15. März die diesjährige Nonfiktionale. Die dreiköpfige Jury bestehend aus Andreas Pichler, Susanne Schüle und Klaus W. Becker vergab den mit 2000 Euro dotierten Nonfiktionale Preis der Stadt Bad Aibling und den SACHTLER-Kamerapreis für die überzeugenste visuelle Umsetzung.


Nonfiktionale Preis der Stadt Bad Aibling

Der Hauptpreis der Nonfiktionale ging an die Filme

DIE GÖTTLICHE LAGE - EINE STADT ERFINDET SICH NEU von Ulrike Franken und Michael Loeken

Jurybegründung:
Dem Film gelingt es gesellschaftlich relevante und komplexe Prozesse auf unterhaltsame Weise begreifbar zu machen. Themen wie der radikale Strukturwandel dem nicht nur das Ruhrgebiet unterliegt, der Prozess der Gentrifizierung und die Frage nach dem Gemeinwohl des öffentlichen Raumes werden für den Zuschauer durch präzise Beobachtungen physisch erfahrbar gemacht. Mit Augenzwinkern bekommen wir überraschende Einblicke in die verschiedensten sozialen Gruppierungen, die in diesem Prozess involviert sind. Dabei bleibt die kritische Haltung der beiden Filmemacher Ulrike Franke und Michael Loeken steht´s klar erkennbar. Langwierige Veränderungen und unterschiedlichste Befindlichkeiten aus beinahe fünf Jahren vom Ort des Geschehens – dem Schauplatz Phönix See –  werden hier zu einer spannenden, charmanten und vielschichtigen filmischen Erzählung montiert, die eine präzise Handschrift trägt.

 

und

AM KÖLNBERG von Laurentia Genske und Robin Humboldt.

Jurybegründung:
Ein großes Engagement und ein ebenso großer zeitlicher Aufwand haben sich ausgezahlt. Selten gelingt einem Dokumentarfilm eine so große Nähe zu seinen Protagonisten. Die Offenheit, ein wirkliches Interesse und das Vertrauen, das die Filmemacher erzeugt haben, lässt nun auch uns teilhaben an vier Lebensentwürfen, die mit vielfachem und heftigem Scheitern umgehen und nicht in Entmutigung enden. Der verrufene Betonklotz einer Hochhaussiedlung – „Am Kölnberg“ - offenbart ein überraschendes Innenleben.
Die Auswahl der Protagonisten, die Verschränkung ihrer Geschichten, das sichere Gefühl fuer die Wahrung der Würde der hier Gestrandeten, die Leichtigkeit der Erzählung, Humor und Selbstironie, die schlüssige Dramaturgie: die Jury gratuliert Laurentia Genske und Robin Humboldt zu dieser reifen Arbeit. Chapeau!


SACHTLER-Kamera Preis

Den von SACHTLER gestiftete Sachpreis erhielt Christiane Schmidt für den Film DER WALD IST WIE DIE BERGE.

Jurybegründung:
Mit einem menschlichen und zärtlichen Blick gewährt uns die Kamera einen intimen Einblick in das Beziehungsgeflecht der Romafamilie Lingurar in einem rumänischen Dorf. Mit ¬Leichtigkeit umkreist die Handkamera die Figuren, und lässt uns in dem präzisen Beobachten von Situationen die Schönheit der Natur wie auch die Härte ihres Lebens begreifen.
Die Kamerafrau Christiane Schmidt schafft im Fluss der Abläufe fein komponierte Bilder. Dank ihrem Blick und den Lichtstimmungen, die sie einfängt, entwickelt der Film eine malerisch-poetische Kraft, die einen in ihren Bann zieht.


Bürgerpreis

Ein weiterer Preis wurde von einer dreiköpfigen Schülerjury des Gymnasiums Bad Aibling vergeben. Katharina Kohl, Andreas Ehof und Benjamin Haubmann verliehen den von der Familie Rockstroh gestifteten Bürgerpreis dem Film DIE UNSICHTBAREN von Benjamin Kahlmeyer.

Jurybegründung:
Der Film DIE UNSICHTBAREN rückt nicht nur ein ebenso interessantes wie relevantes Thema in den Fokus, sondern ist dabei sehr nahe bei seinen Protagonisten. Damit hebt er sich ab von vielen Dokumentarfilmen zum Thema Asylpolitik, die sich allein auf die gesellschaftliche Problematik beziehen. Bemerkenswert ist außerdem das Gespür für Ironie und Witz, das die Schwere des Themas gezielt ein Stück weit aufhebt. Die an den richtigen Stellen eingesetzte Musik macht den Film zusätzlich sehenswert.


Wiederholung des Preisträgerfilms "Die Göttliche Lage - eine Stadt erfindet sich neu" von Ulrike Franke und Michael Loeken am Montag, den 16.3. um 20:00 Uhr