Preisträger 2009

Der mit € 2.000 dotierte Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling wurde den Regiseurinnen Sigrun Köhler und Wiltrud Baier für ihren Film Schotter wie Heu verliehen.


Mit dem Kurzfilmpreis der Nonfiktionale (500 €) wurde der Film Jakob Mierscheid, MdB von Marian Mentrup ausgezeichnet. Die Cutterin des Films, Mirja Gerle, nahm den Preis entgegen.


Der ARRI-Kamerapreis (ein Lichtkoffer im Wert von € 2.000) ging an Den Hörer in der Hand von Tom Kimmig.


Die Begründungen der Jury:

Schotter wie Heu

Ist das Finanzsystem dieser Welt noch zu retten? Vielleicht mit drei Schreibtischen, einer funktionierenden Schreibmaschine und gesundem  schwäbischen Menschenverstand? Bewegt von tiefem Zweifel an der Regulierbarkeit vergangener, gegenwärti-
ger und zukünftiger globaler Katastrophen, sind wir froh und vergnügt, dass Wiltrud Baier und Sigrun Köhler uns in Ihrem Dokumentarfilm „Schotter wie Heu” einen Retter präsentieren: Herrn Vogt, den Bankdirektor der kleinsten Bank Deutschlands im schwäbischen Gammesfeld. Hier haben wir einen Film der ganz und gar authentisch, nonfiktional und mit wacher, geduldiger Beobachtung gedreht ist. Die Filmemacherinnen vertrauen ihrem Protagonisten und nehmen ihn ernst. Belohnt werden sie und wir alle dafür mit den wunderbar, komischen Qualitäten eines Bankdirektors, dem wir auch heute noch unser Geld anvertrauen würden.

Wir belohnen Wiltrud Baier und Sigrun Köhler dafür mit dem Hauptpreis der Nonfiktionale. Der mit 2.000 € dotierte Preis der Stadt Bad Aibling ist auf das Konto „wirklich komisch“ der Bank Gammesfeld einzuzahlen.


Jakob Mierscheid, MdB

Was ist real, was ist inszeniert? Eine Frage, die sich nicht nur dem Publikum der Nonfiktionale in den letzten Tagen stellte, sondern auch dem Beobachter des politischen Geschehens. Diese Frage nimmt Marian Mentrup in seinem Kurzfillm „Jakob Mierscheid MdB“ zum Anlass einer filmischen Recherche. Gesucht wird ein Abgeordneter des Bundestags, von dem keiner weiß ob er real existiert oder eine Fiktion ist. Eine raffiniert komische Parabel über politische Selbstdarstellung, die wir übrigens nicht nur aus aktuellem Anlass, mit dem Kurzfilmpreis auszeichnen.


Den Hörer in der Hand

Wer ist am anderen Ende der Leitung, wenn man eine 0800-Nummer wählt? Ein gesichtsloses Unternehmen bekommt plötzlich eine Stimme, mit der man sprechen, streiten und der man sein Herz ausschütten kann. In Tom Kimmigs Dokumentarfilm „Den Hörer in der Hand“ sind es gleich mehrere Stimmen, die für uns vor der Kamera lebendig werden. Es sind die Telefonisten des Bayerischen Rundfunks, die Tag für Tag am Hörertelefon des BR1 arbeiten. Welten tun sich auf: Wir nehmen Teil an tragischen und komischen Momenten in einer für uns absurden Gesprächssituation. Dem Regisseur, der hier zugleich Kameramann ist, gelingt es, diese Kommunikation spannend und einfühlsam zu vermitteln. Dabei entpuppt sich der Film zu guter Letzt auch noch als außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen einer alten Frau und einem jungen Mann. Die größte Liebe aber, ist die zwischen den Hörern und ihrem Lieblingssender. Und wie in jeder guten Beziehung darf es da auch manchmal krachen.

Tom Kimmig bekommt für seine phantasievolle und überraschende Umsetzung dieses Themas den ARRI-Kamerapreis in Form eines Lichtkoffers. Gut Licht für den nächsten Dreh!