Do, 3. März, 09.30 Uhr


CH 2007, 87 Minuten,

Regie, Kamera: Jan Gassmann, Christian Ziörjen
Ton: David Wasilevski
Schnitt: Jan Gassmann
Produktion: Xefilms, Arsonfilm


Mit 21 Jahren erfährt Christian Ziörjen, genannt Chrigu, von seinem Krebsleiden. Da hat das Leben eigentlich erst richtig begonnen. In einer Art Videotagebuch dokumentiert der junge Mann seinen Kampf gegen die Krankheit. Als seine Kräfte nach einem Rückfall zunehmend schwinden, bittet er seinen besten Freund Jan weiterzudrehen. Noch kurz vor seinem Tod, als nur noch entsprechende Morphiumdosen ihn vor einem Sprung aus dem Fenster bewahren, gibt er Jan mit auf den Weg: "Der Film soll nicht traurig werden. Der Film soll nicht moralisieren. Der Film soll lustig werden." Ein unmögliches Unterfangen. Dennoch ist es ein lebensbejahender Film – auch dann, als Chrigu sich schon aufgegeben hat. Indem der Film alte und neue Aufnahmen miteinander collagiert und die unterschiedlichen Zeitebenen springen lässt, bewahrt er etwas von Chrigus "unfertigem" Leben. Ein Film der sowohl die Protagonisten, als auch die Zuschauer auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitnimmt.


Preise:
Preis der Ökumenischen Jury, Internationales Forum des Jungen Films, Berlinale 2007
Nonfiktionale-Preis 2007

Der Vater zitiert Salman Rushdie frei mit den Worten: „Wenn Du schlechte Literatur schreiben willst, dann schreibe autobiographische Sachen“. Dennoch wagt der Sohn sich an einen Film über seine Familie. Dabei kennt er den größten Teil seiner persischen Großfamilie nur aus der Ferne, seit er als Kind mit seinen Eltern aus dem Iran nach Österreich geflohen ist. Der Kontakt zu Großeltern, Onkeln, Tanten, Cousinen und Cousins beschränkt sich im Wesentlichen auf Videobotschaften. Die Sehnsucht nach Nähe ist groß, doch die politischen Verhältnisse machen eine Zusammenkunft unmöglich. Direkter Kontakt besteht nur zu einzelnen Verwandten, die ihrerseits in den Westen emigriert sind. Endlich, nach 20 Jahren, gibt es ein geheimes Wiedersehen an einem für die iranische Obrigkeit unverdächtigen Ort: in Mekka. Es wird gelacht, gekocht, gefeiert und geküsst. Doch prallen bei diesem  Zusammentreffen auch abweichende Lebensentwürfe und gegensätzliche Weltanschauungen aufeinander. Angesichts der derzeitigen gesellschaftlichen Diskussionen regt dieser tragikomische Film über Familie im Kontext von Flucht und Exil zum Weiterdenken an. Auch zehn Jahre nach seiner Premiere ist er aktueller denn je.

 

Trailer: Exile Family Movie


Preise:
(Auswahl) Max Ophüls Preis für den besten Dokumentarfilm, 2007; Goldene Taube für den besten Dokumentarfilm und FIPRESCI-Preis, DOK Leipzig 2006; Silver Hugo für den besten Dokumentarfilm, Chicago Film Festival 2006; Großer DIAGONALE Preis für den besten Dokumentarfilm 2006

Mit 29 Jahren hat der Filmemacher Wolfram Huke einen unerfüllten Wunsch. Er sehnt sich nach einer Freundin. Der junge Regisseur hatte in seinem Leben bisher weder eine Beziehung noch eine sexuelle Begegnung mit einer Frau. Er wurde noch nie geküsst. Diese Ausgangssituation ist die Basis für einen Selbstversuch. Ein Jahr lang stellt Huke sich seiner Bindungsangst und versucht verzweifelt, eine Frau kennenzulernen. Dabei filmt sich der Filmemacher selbst. Der Zuschauer begleitet ihn in die Therapiesitzung, ins Fitnesstudio, zu einem Date mit einer kroatischen Onlinebekanntschaft oder wird Zeuge eines offenen Gesprächs mit der Mutter. "Love Alien" ist eine Zustandsbeschreibung, die der Angst vor Nähe und Zurückweisung mit selbstironischem Augenzwinkern begegnet. Der Ich-Erzähler, der sich zu Beginn des Filmes wie ein Außerirdischer in Liebesdingen fühlt, emanzipiert sich und scheitert trotzdem… Die Bindungsangst bleibt, aber es bleibt auch ein ebenso mutiger wie humorvoller Film.

 

Trailer: Love Ailien


Preise:
STARTER-Filmpreis der Landeshauptstadt München 2013

Angst: „Sie ist mit mir in einem Raum.“ Noah Schullers dokumentarischer Kurzfilm ist ein Experiment – ein Selbstexperiment. Der Filmemacher stellt sich seiner größten Phobie und wird dabei gefilmt. Die Kamera läuft ununterbrochen und beobachtet ihn unerbittlich. Als Zuseher ist man zunächst neugieriger Beobachter der angstverzehrten Mimik, bevor man langsam von der sehr unmittelbaren Furcht des Filmemachers in den Bann gezogen wird. Was das angstbesetzte Objekt ist, wird zunächst nicht aufgelöst. Durch diesen filmischen Kniff durchlebt man als Zuseher eine nicht näher definierte Furcht am eigenen Leibe mit. Im Experiment zittert Noah Schuller, sein Atem bebt, sein Puls scheint zu rasen... Die Angst ist real. Wie der Film endet, darf nicht verraten werden.


Ein sogenanntes Ausschaffungsgefängnis am Zürcher Flughafen. Als Teil der Gefängnisgruppe des "Solinetzes" besucht die Regisseurin regelmäßig Inhaftierte, die auf ihre Abschiebung warten. Ein Ort, an dem man auf keinen Schuldigen zeigen kann, wie die Filmemacherin sagt. Die Insassen haben nie eine Straftat begangen, und die Wärterinnen und Wärter sind das meist freundliche Gesicht eines Systems, das im Umgang mit diesen inhaftierten Menschen offenbar selbst an seine institutionellen und moralischen Grenzen stößt. Lisa Gerig bezieht mit und in ihrem Film eine klare Position gegenüber dieser Abschiebepraxis. Die betont subjektive Kamera nimmt den Zuschauer mit auf ihre Fahrten und Gänge zum Gefängnis und zurück. Die Kamera darf die Schwelle des Gefängnisses nicht überschreiten, doch durch das Erzählen öffnet sich der Blick auf die Menschen im Inneren.


Preise:
ARRI-Award als bester Dokumentarfilm, Festival der Filmhochschulen München 2015

Zu Lebzeiten der Großmutter bemerkte niemand, dass sie Fotos aus dem Familienalbum entfernt hatte, um sie zu verkaufen oder zu vernichten. Jedenfalls sind sie nicht mehr da. Unzählige leere Fotoecken verweisen auf Leerstellen – im Album wie auch im kollektiven Familiengedächtnis. Der Vater der Filmemacherin verfolgt eine entgegengesetzte Strategie: Er hat über Jahre hinweg ein Archiv aus Fotos, Filmen und Notizen angelegt. Um die Ereignisse innerhalb der Familie in eine dauerhafte "harmonische" Ordnung zu bringen, scheut er auch vor Inszenierungen und  Manipulationen nicht zurück. Und auch andere Familienmitglieder pflegen ihren eigenen Umgang mit der Erinnerung und den damit verbundenen Objekten und Orten. Luise Donschen sinnt mit bemerkenswerter Lust am Experimentellen wie auch am Grafischen über Formen des Erinierns und des Vergessens nach. Damit reiht sie sich mit ihrem Film selbst in die Familientradition ein – irgendwo zwischen ihrer Spuren tilgenden Oma und ihrem Vater, dem kreativen Chronisten.


Preise:
Preis des Landesfilmdienstes Rheinland-Pfalz, video/film tage Koblenz 2012

Darío lebt seit einigen Jahren in Deutschland. Der Filmemacher und bekennende Vegetarier hat sich sein Leben eingerichtet, fern von seiner Familie in Ecuador, wo sein Vater ein kleines Grillrestaurant betreibt. Doch dann ereilt ihn ein Hilferuf seiner Eltern. Sein Vater steht kurz vor dem Ruin, seit zwei Jahren hat er seine Miete nicht mehr gezahlt. Kurzerhand nimmt Darío das familiäre Hilfsprojekt in Angriff, ausgestattet mit Excel-Kenntnissen und deutschem Unternehmergeist. Doch um den elterlichen Betrieb zu retten, bedarf es anderer Mittel. Zuerst geht es darum, seinen Platz in der Familie neu zu bestimmen und Vertrauen zu gewinnen. Der stumme Dialog zwischen Vater und Sohn wird moderiert von der ebenso liebevollen wie geistreichen Mutter. Mit viel Kreativität und Humor sowie einer ordentlichen Portion Musik gelingt es der Familie, sich trotz aller Nöte und Schicksalsschläge neu zu finden.

 

Trailer: Cesars Grill


Preise:
(Auswahl) Bester Film EFFNY 2015; Premio Colibrí Ecuador 2015; Bester Dokumentarfilm, Cinélatino, Recontres de Toulouse 2014; Lobende Erwähnung der Jury, Max Ophüls Preis 2013


Filmemacher Florian Baron ist unterwegs zu Orten der Einsamkeit. Sprungbrett seiner essayistischen Reise ist ein diffuses Gefühl aus Angst und Lust im Angesicht des Alleinseins, das er schon als Kind empfand. Die pulsierende Großstadt Tokyo wie auch die Osterinsel im entlegensten Winkel der Erde werden in „The Final Call“ gleichermaßen zu Refugien. Hier kann das Ich zu einer neuen inneren Verbundenheit mit sich und der Welt finden. Wie autobiographische Fundstücke sammelt Baron verschiedenartige Bilder und Töne, um sie zu einer spannenden Collage zu verweben. Während seiner Reisen kommen Fragen auf: Welche Rolle spielen die Katastrophen unserer Zeit für das eigene Selbstverständnis? Was hat ein Krieg, eine Naturkatastrophe oder der radioaktive Fallout von Fukushima mit der eigenen Geschichte zu tun? Welche Wege weisen sie in die Zukunft? Eine ebenso hellsichtige wie faszinierende Weltreise ins Ich.

 

Trailer: The Final Call


Preise:
Nachwuchsförderpreis Kategorie Ton zum Bild (für Johannes Heidingsfelder), Köln 2012

"Karma Shadub" ("tanzender Stern") nannte der international gefeierte Geiger und Komponist Paul Giger sein Werk, das er anlässlich der Geburt seines Sohnes Ramòn komponiert hatte. 30 Jahre später soll das Stück unter Leitung Paul Gigers in der Kathedrale St. Gallen aufgeführt werden. Und Ramòn soll filmen. Doch der Sohn, seines Zeichens Filmemacher und Kameramann, spürt, dass er darüber hinaus noch einen anderen Film machen muss. Dass sich endlich ein Fenster öffnet, um dem Vater Fragen zu stellen, die er ihm über viele Jahre nie gestellt hat. Fragen, die ans Eingemachte der Vater-Sohn-Beziehung gehen. Paul Giger windet sich, doch der Sohn lässt nicht locker. Er will dem ihm fremd gewordenen Menschen, von dem er sich verlassen fühlt, wieder emotional näherkommen. "Die überwältigende Begegnung zwischen einem Sohn und seinem Vater sowie zwischen den Kunstformen, die sie beherrschen, ist für den Zuschauer wie ein schwindelerregender Tanz." (Jurybegründung Visions du Réel)

 

Trailer/ Webseite: Karma Shadub


Preise:
Grand Prix, Visions du Réel Nyon 2013

„Als Filmstudenten wollten wir immer so politische Filme machen, alles immer besser machen. Was hat’s uns genützt? Gar nichts. Wir hätten unsere Geschichten erzählen sollen.“ Jetzt, mit rund 60 Jahren, kommen sieben Regisseurinnen und Regisseure zusammen und erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend in der DDR. In sieben stilistisch sehr unterschiedlichen Episoden tauchen sie ein in persönliche Erinnerungen an Alltagsmomente und prägende Ereignisse ihrer Kindheit. An duftende Care-Pakete von wohlmeinenden Westverwandten, an knallbunte Bonbons, aus dem "falschen" Teil Berlins oder an Väter, die die DDR-Karriereleiter brav emporgestiegen waren, um plötzlich klammheimlich "rüberzumachen". Das neue, bessere Deutschland – je nach familiärem Kontext sollte oder wollte man daran mitbauen. Die subjektiv erzählten Geschichten fügen sich zu einem Generationenprojekt, das in die Atmosphäre der 50er und 60er Jahre der DDR entführt und weit über das eigene Erleben und die eigene Vergangenheit hinausweist.

 

Trailer: Als wir die Zukunft waren


Es war einmal... eine siebenköpfige Familie polnischer Abstammung. Vor vielen Jahren fand sie irgendwo im Hessischen, in einem großen Haus auf einem verwilderten Hügel eine Heimat. Die Kinder sind hier aufgewachsen, "unsere Gliedmaßen fest verschlungen zu einem verknoteten Körper". Sich daraus zu lösen, ist keineswegs einfach. Mit dem Auszug der älteren Tochter Agata gerät das Familiengefüge aus dem Gleichgewicht. Und auch die anderen Geschwister entdecken zunehmend ihre eigenen Leben. Die Ehe der Eltern, die schon seit längerem durch wiederkehrende Wutausbrüche der Mutter und Rückzüge des Vaters geprägt war, gerät dadurch vollends in Schieflage. Nichts ist für die Ewigkeit – noch nicht einmal die Wärme des Elternhauses. Agata, die Filmemacherin und Tochter, kehrt immer wieder zurück, angetrieben von dem Wunsch, diesen Auflösungsprozess zu begreifen. In atmosphärisch aufgeladenen Bildern zeigt sie den brüchig gewordenen Familienalltag. Ein intimes Portrait einer Familie im Moment der Veränderung.


Mit der Freundin zusammenzuziehen – der Gedanke erfüllt den Filmemacher Marko Doringer mit Angst und Zweifel: Fühlt sich das richtig an? Ist das Zweifeln normal? Um das herauszufinden, nimmt er nicht nur seine Beziehung unter die Lupe, sondern wirft auch einen genauen Blick auf Partnerschaften in seinem Freundeskreis. Führen die Freunde in Dubai eine ideale Beziehung? Oder das schwule Paar in Belgrad? Und wie sieht es bei dem Künstlerpaar aus, das sich irgendwo zwischen Berlin und süddeutscher Provinz zu verwirklichen sucht? So entsteht eine geistreiche Studie über Partnerschaften in der heutigen Zeit sowie den Spagat zwischen Ich-konzentriertem Leben und den Wünschen des jeweils anderen. Ebenso einfühlsam wie (selbst-)ironisch setzt sich der Film mit diesem sehr privaten Thema auseinander, das symptomatisch für eine ganze Generation zu sein scheint. Ein Film über Liebe, Egoismus, Solidarität, Versagensängste und Mut.

 

Trailer/ Webseite: Nägel mit Köpfen

 


Solange man die drei B's – "beach, beer and babe" – habe, sei alles in Ordnung. Das behauptet zumindest der Beachboy Sony, den die aus Deutschland angereiste Ich-Erzählerin an einem Strand auf Bali kennenlernt. Mit einem entwaffnenden Lächeln versucht er sich mit der Vermietung von Liegen und dem Verkauf von Kaltgetränken ein Auskommen zu sichern. Wirklich leben kann man aber davon nicht, schon gar nicht in der Nebensaison. Wie auch andere Beachboys hofft Sony, dass eines Tages eine weißhäutige Traumfrau aus dem Westen anbeißt. Er träumt von einer gemeinsamen, finanziell stabilen Zukunft auf Bali. Doch die Westlerin, das unbekannte Wesen, kommt offenbar mit anderen Erwartungen. Verfremdete Farben konstruieren traumschöne Bilder von einem Urlaubsparadies, das nur auf den ersten Blick eines zu sein scheint. Denn nach und nach dringt die Erzählung in den Alltag des Beachboys vor. Und allmählich begreift man, dass sein erträumtes Paradies ein anderes ist. Aber wer ist das Gegenüber hinter der Kamera, an das er sein Herz verliert, wirklich? Ein raffiniertes Spiel mit Realität und Illusion.


Preise:
Best Documentary, 5th FiLUMS International Filmfestival 2015

Thorolf Lipp ist Ethnologe und Filmemacher. Seit über 15 Jahren forscht und filmt er bei den Kastom-Sa, den legendären Turmspringern von Pentecost im südpazifischen Vanuatu-Archipel. Über die Jahre wächst das gegenseitige Verständnis und Vertrauen, und vor allem zu dem gleichaltrigen Chief Bebe Melegel entwickelt sich eine innige Freundschaft. Die Idee, ihn und vier andere Männer zu einem Gegenbesuch nach Deutschland einzuladen, nimmt fünf lange Jahre später endlich Form an. Die Turmspringer werden in Bayern erwartet. Doch kurz vor dem Aufbruch nimmt eine Tragödie ihren Lauf: Bebe Malegel wird ermordet. Und vieles deutet darauf hin, dass diese Tat mit dem gemeinsamen Projekt in Zusammenhang steht. Der Filmemacher beginnt, einen inneren Dialog mit seinem verstorbenen Freund zu führen und sucht nach einem Weg, das gegebene Versprechen doch noch einzulösen. In seltener Offenheit stellt der Film Fragen nach den Konsequenzen des eigenen Forschens und Filmens. Dabei hinterfragt er freimütig die Bilder, die wir (uns) auf der Suche nach dem vermeintlich Exotischen und Ursprünglichen machen.

 

Webseite: Auf Augenhöhe?


Gretel ist an Demenz erkrankt. Während die Krankheit immer schwerer zu übersehende Lücken in ihre Erinnerung reißt, übernimmt der Sohn David für einige Wochen ihre Betreuung, um seinen Vater Malte zu entlasten. Mit der Einwilligung der Familie dokumentiert er seine Zeit mit Gretel. Der Alltag stellt oft eine Herausforderung dar, einst selbstverständliche Abläufe erfordern auf einmal Einfallsreichtum. Doch David gelingt es, mit seiner verwirrten Mutter wunderbar lichte Momente zu erleben. Obwohl sie sich zunehmend aus der Welt zurückzieht, gewinnt sie etwas anderes: entwaffnende Ehrlichkeit und Unschuld, gepaart mit verblüffendem Wortwitz. Eine Reise in die Schweiz zu Malte, der dort etwas Kraft zu schöpfen versucht, nimmt der Filmemacher zum Anlass, um in die Vergangenheit seiner Eltern einzutauchen. Beide waren während der Studentenbewegung in linken Kreisen aktiv, als Frauenrechtlerin wurde sie sogar vom Staatsschutz überwacht. Aus Gretels Krankheit entsteht schließlich ein Neuanfang in der Beziehung zueinander, und aus Davids biografischem Filmprojekt wird eine Liebeserklärung an das Leben und die Familie.

 

Trailer/ Webseite: Vergiss mein nicht


Preise:
Semaine de la Critique, Film Festival Locarno 2012; Hessischer Filmpreis 2012; Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2012; Special Jury Prize Documenta Madrid 2013; Millenium Award Planete+ Doc Warschau 2013

Man sagt, die Welt sei ein Dorf geworden. Nehmen wir an, dieses Dorf hieße zum Beispiel Suberg.
Dann könnten wir hier die ganze Welt sehen. Suberg. 475 Meter über dem Meer, 612 Einwohner. Ein Bahnhof, ein Schulhaus, ein Wirtshaus und eine Düngerfabrik. Ein mittleres Dorf im Schweizer Mittelland. In nur drei Jahrzehnten hat sich das verschlafene Bauerndorf zum anonymen Schlafdorf entwickelt. Simon Baumann lebt seit seiner Geburt in Suberg. Doch 32 Jahre lang hat der Filmemacher das Dorf und seine Bewohner erfolgreich ignoriert. Anders als sein Großvater, welcher im Dorf eine zentrale Figur war, kennt er hier kaum jemanden. Das will der Filmemacher ändern und sucht Kontakt zu den Dorfbewohnern. Aber wie integriert man sich in ein Dorf, in dem es kaum noch eine Dorfgemeinschaft gibt? Und warum ist das so? Auf der Suche nach Antworten trifft Simon auf Menschen, die Suberg und seine Entwicklung geprägt haben, setzt sich mit den Lebensentwürfen seiner Vorfahren auseinander und findet im Männerchor eine letzte kleine Oase des Gemeinschaftssinns.

 

Trailer/ Webseite: Zum Beispiel Suberg


Preise:
Gewinner 1.CH-Dokfilm-Wettbewerb, Migros Kulturprozent; Preis der interreligiösen Jury, Visions du Réel 2013; Regiepreis, Berner Filmpreis 2013; Dokumentarfilmpreis, Fünf-Seen-Filmfestival 2014; Jurypreis im Dokumentarfilmwettbwerb, Schwerin 2014


Fr, 16. März, 22.30 Uhr


D 2011, 48 Minuten, OmU

Regie, Konzept, Produktion, Vertrieb, Schnitt: Bernd Schoch
Kamera, Ton: Marco Kugel, Simon Quack
Schnitt: Simon Quack
Mischung: Erik Mischijew
Musik. Schlippenbach Trio


Bernd Schochs Film "Aber das Wort Hund bellt ja nicht" ist ein Jazzfilm und der gelungene Versuch Tonkunst sichtbar zu machen. Das Schlippenbach Trio spielt seit über 40 Jahren in der gleichen Formation und hat Freejazzgeschichte geschrieben. In einem Zeitraum von vier Jahren gedreht, widmet der Film jedem Musiker eine Sequenz, die durch Kommentare der Altmeister und Bilder „on the road“ verbunden ist. Der Film "verengt den Raum, dehnt die Zeit, und ermöglicht dadurch eine intensive Kino-Erfahrung mit dem Free Jazz des Schlippenbach-Trios. Und plötzlich wird das Unsichtbare hörbar und das Fragment gleichbedeutend mit dem Ganzen. Dieser Film ist mehr als ein Musikerportrait. Es ist auch ein Film, der auf radikale Weise von der Übersetzung, der Neuerfindung von Wirklichkeit im Dokumentarfilm handelt.", heißt es in der Begründung der Jury als Bernd Schoch den ARTE-Dokumentarfilmpreis Im Rahmen der 35. Duisburger Filmwoche erhält.


Ein Hinterhof irgendwo mitten in Istanbul. Vom Balkon des Filmemachers Lars Kreyßig aus blickt man auf Hausfassaden, Parkplätze, Straßen, Bäume. Die Kamera fängt flüchtige Momente ein und setzt den nächtlichen Alltag im Hinterhof bühnenreif in Szene. Eine rotgekleidete Frau taucht am Fenster auf und zieht den Vorhang zu. Hat sie Herrenbesuch? Ein Mann auf der Straße lässt zwei Tüten im Müllcontainer verschwinden. Hat er etwas zu verbergen? Die Melodramen, Thriller und Filmgedichte, die sich ersinnen lassen, finden allein im Kopf des Betrachters statt. Zuweilen fühlt man sich wie der Protagonist aus Hitchcocks Fenster zum Hof und muss zusehen, wie die Phantasie üppige, bunte Blüten treibt. Unterdessen bleibt die Stadt, auch wenn man sie nicht unmittelbar wahrnimmt, immer präsent. Eine atmosphärisch dichte filmische Miniatur, die einen kleinen Kosmos an Geschichten birgt.


Berlin ganz groß! So macht die Hauptstadt Werbung für sich. Dieser Film zeigt Berlin im Kleinen und ist dabei Collage und Hommage in einem. Noemi Schneider und Christiane Schmidt schaffen es auf ihrer filmischen Stadtrundfahrt ein ganz eigenes künstlerisches Bild der einzigen deutschen Weltstadt zu zeichnen. In feinfühlig beobachteten Momentaufnahmen und eigenwillig poetischen Bildern führen sie den Zuschauer in einem Reigen durch ihr – kleingeschriebenes – berlin und treffen dabei den Charakter der Metropole. Die bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt ziehen an einem nonchalant vorbei und erinnern den Zuschauer nur kurz daran, wo er sich befindet - was aber bleibt ist das Gefühl von einer und für eine Stadt. „Millionen Lieder sind erklungen für Dich – Berlin“, heißt es in einem Gassenhauer am Anfang des Films. Mit berlin gelang Noemi Schneider und Christiane Schmidt sogar eine kleine Sinfonie...


 Stadtlandschaft meets Seelenlandschaft. Über einen Zeitraum von 15 Jahren hat Thomas Imbach aus dem Fenster seines Züricher Ateliers gefilmt: den rauchenden Schlot, der die Silhouette der Stadt durchschneidet, das Industriegebiet vor seiner Haustür, Wolken, eine vorbeieilende junge Frau, brennende Autos. So entsteht ein bildmächtiges Landschaftsporträt, das nie zum Stillstand kommt. Tage und Nächte lösen einander ab, dramatische Wolken weichen einem knallblauen Sommerhimmel, der Fabrikschlot tritt in den Schatten eines riesigen Hochglanz-Büroturms. Parallel dazu hört man Menschen, die auf Imbachs Anrufbeantworter sprechen. Aus dem anfänglichen Stimmengewirr schälen sich allmählich Geschichten heraus. Neben Geburtstagsglückwünschen und Essenseinladungen geht es um Erfolg und Misserfolg, um werdende und vergehende Liebe, Geburt und Tod. Nie hebt der Mann hinter der Kamera den Hörer ab. Stattdessen lässt er mit den Anrufen über Bande ein semifiktives (Selbst-)Porträt entstehen. Ein Essayfilm über die Schönheit der Welt vor unserem Fenster, über das Vergehen der Zeit und über das, was den Menschen ausmacht.


Mit Urlaubsidylle wirbt die brandenburgische Gemeinde Potzlow. Doch seit dem 13. Juli 2002 geht ein tiefer Riss durch die heile Welt. Die beiden Brüder Marco und Marcel Schönfeld sowie ihr Bekannter Sebastian Fink malträtierten und töteten den 16-jährigen Marinus Schöberl durch einen „Bordsteinkick“. Alle schnell bei der Hand liegenden Erklärungsmuster greifen zu kurz. Andres Veiel hat zusammen mit der Dramaturgin Gesine Schmidt aus Gesprächen mit Betroffenen und Mitbürgern sowie aus Vernehmungsprotokollen und Gerichtsunterlagen eine Textcollage entworfen, die das Ungeheuerliche in den Griff zu bekommen versucht. Daraus ist zuerst ein Theaterstück, dann dieser Film entstanden. Zwei schwarz gekleidete Schauspieler stehen in einer kargen Gewerbehalle und schlüpfen mittels Mimik, Gestik und Ausdrucksweise in fast 20 unterschiedliche Rollen. Das Publikum findet sich in einem Dickicht widerstreitender Aussagen, Interpretationen und Emotionen wieder. Statt vereinfachende Erklärungsmuster zu konstruieren, wirft der Film Fragen auf, die über den Einzelfall hinausgehen. Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.


 Der Taktstock ist zunächst ein Film über den Gustav-Mahler-Wettbewerb. Junge Dirigenten aus aller Welt treten in einem Wettkampf gegeneinander an, an dessen Ende ein Wettbewerbssieger steht. Soweit ein klassisches Sujet für einen Dokumentarfilm. Doch der Taktstock von Michael Wende schlägt vom ersten Schnitt an Haken, spielt mit den Sehgewohnheiten des Zusehers und unterschiedlichsten filmischen Mitteln und das auf allen Ebenen. Der Taktstock ist rasant, witzig und ohne Respekt vor altbackenen Regeln der Dokumentarfilmkunst geschnitten. Videoclipästhetik und Bildeffekte werden neben klassischen Interviews oder Sequenzen  beobachtender Kamera eingesetzt. Als „Experte“ führt  ein eigenwilliger Taktstockmacher (gesprochen von Herbert Feuerstein) durch den Film. Michael Wende gelingt  der schwierige Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Unterhaltung. Klassik- und Filmliebhaber kommen schließlich selten genug gemeinsam auf ihre Kosten.


Auf dem OP- Tisch liegt ein Mensch. Sein Gehirn wird repariert. Leidenschaftslos und routiniert wie Handwerker verrichten die Chirurgen ihre Handgriffe. Die Persönlichkeit des Kranken ist für ihre Arbeit unwichtig.
In ihrem Film- Tryptichon erforscht Lesia Kordonets die Grenzen des Mensch- Seins in dieser Extremsituation. Collagenartig kontrastiert sie den nüchternen OP- Alltag mit den namenlosen Stimmen der Operierten. Was bedeutet es, ein Patient zu sein? Man gibt das Bewusstsein unter der Narkose auf und wird zum ausgelieferten Objekt. Was bleibt, wenn sich der Geist vom Körper löst? Ein Film über die Grenzen der Selbstbestimmung.


DIENSTAG und ein bißchen mittwoch

(Junge doks)

Do, 15. März, 11.00 Uhr


D 2007, 40 Minuten, OmU

Buch und Regie:
Susanne Mi-Son Quester
Darstellerin: Suzie Kang
Kamera: Mieko Azuma
Schnitt: Susanne Quester und
René Arnold
Ton: Yun-Hee Choi
Produktion: HFF München, mandarinenfilmproduktion


Ein Schultag ist eine Zeiteinheit für sich. Susanne Mi-Son Questers Film dokumentiert dies auf eine sehr eigene, eindrückliche Weise. Er protokolliert den Schul(all)tag der 17 jährigen Schülerin Suzie an einer südkoreanischen Mädchenschule – und ein bisschen mehr.  Der Film ist strukturiert durch einen schablonenhaften Stundenplan, aber auch durch die Träume und Sehnsüchte der Protagonistin. Aus dem uniformierten Alltag dringen unausgesprochene Fragen nach dem Ich, nach dem Was noch und dem Was dann? Dieser diskrete Blick hinter die Fassade des aus mitteleuropäischer Sicht fremden, bisweilen auch befremdlichen Schulsystems eröffnet Zugänge zum individuell durchlebten wie auch zum immer gleichen Schülerinnendasein: dem täglichen Umgang mit allmorgendlicher Müdigkeit, allzu routinierten Lehrern und verschulten Ritualen. Ein Schultag scheint sich hier wie da, damals wie heute nur graduell zu unterscheiden. Ein Kreislauf, ein Kosmos, ein Zeitmaß für sich.


In ihren Liedern geht es um Wilderer und Bergleute, um abgestochene Schweine und menschliche Blutrünstigkeit. Die Menschen in der alten österreichischen Eisenindustriezone Eisenwurzen haben Volkslieder von jeher als Kommunikationsmittel genutzt. Auch heute noch sind die "Waldandacht", das "Saustecherlied" oder das Lied vom "Schwarzern Kohlführerbuam" dort nicht in Vergessenheit geraten. Jenseits von allem fernsehgerechten Schunkelschmonz  lässt Eva Eckerts Film Lieder wiederauferstehen, die von einer anderen Zeit und einer anderen Identität erzählen. Lieder, die Zweideutigkeiten und Derbheiten zulassen, aber auch von der engen Verbundenheit mit der Arbeit im Bergbau zeugen. Die Orte, an denen die Sängerinnen und Sänger ihre gesungenen und gejodelten Geschichten vortragen, sind erkennbar arrangiert und wirken dennoch authentisch. Eisenwurzen ist vielleicht nicht so sehr ein Musical als vielmehr der Blues einer vergangenen Epoche.


Der Film erzählt die abenteuerliche Geschichte der 26jährigen Industriellentochter Clärenore Stinnes, die 1927 als erste Frau mit einem Automobil die Welt umrunden will. Ohne finanzielle Unterstützung ihrer Eltern und gegen alle Widerstände und Schwierigkeiten wagt sie dieses strapaziöse und sogar lebensgefährliche Abenteuer. Vom vierköpfigen Weltumrundungs- Team brechen zwei die Expedition vorzeitig ab. Allein mit dem dänischen Kameramann Carl- Axel Söderström, der die Unternehmung dokumentiert, setzt sie die Reise fort. Das von ihm gedrehte Originalmaterial wird mit eindrücklich inszenierten Spielszenen gepaart. Der Film zeichnet so das Bild einer willensstarken jungen Frau und einer besonderen Freundschaft.


„1883: Man trägt Bart oder Korsett. Niemand kann fliegen. Es gibt kein Radio, kein Fernsehen, kein Kino. Der Krakatau bricht aus. Karl Marx und das letzte Quagga sterben.“ So lässt graue Vergangenheit sich also auch erzählen. 1883 ist aber zufällig auch das Jahr, in dem Frida, die Urgroßmutter der Regisseurin, das Licht der Welt erblickt. In einer liebevoll- ironischen achtminütigen Bildercollage flaniert Meike Fehre durch die "große" Weltgeschichte und die "kleine" Geschichte der eigenen Familie, indem sie sich am wechselvollen Leben ihrer eigensinnigen Uroma entlanghangelt. Erinnerungen an unerfüllte Liebesangelegenheiten und an die beiden Weltkriege gehen dabei nahezu fließend ineinander über. Im Legetrick-Verfahren werden alte Fotos, Zeichnungen und Dokumente auf überaus kreative und unterhaltsame Weise montiert. Und ehe man sich als Zuschauer versieht, ist Uroma Frida 91 Jahre alt und dieser ausnehmend charmante Kurzfilm leider schon zu Ende.


Von den indischen, ägyptischen, pakistanischen und türkischen Zeitungskolporteuren in ihren gelb-roten Uniformen. Von ihrer Mission "Keep Smiling! Keep Selling!". Von der grausamen Regelmäßigkeit des Wiener Alltags und der täglichen Zeitung. Von Hinterzimmermoscheen, vom österreichischen Wohnzimmer und den Löchern, in denen die Kolporteure hausen. Von den versklavten Zeitungshändlern und ihren Kontrolleuren, von guten Nachrichten, von Ausländern, die sie an der Ecke verkaufen. Von kleinen Tieren, kleinen Wohnungen, von kleinen Leuten und kleinen Geschichten. Von der Normalität an den Rändern der Gesellschaft. Davon handelt das heftig diskutierte Kinofilmdebüt des berühmten österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl. "Mit solcher Konsequenz, mit solchem Stilwillen hat noch selten jemand im Film die furchtbare Regelmäßigkeit des Alltags, den Wahnsinn der Normalität gezeigt. Das Alltägliche, das durch Gewohnheit unsichtbar geworden war, wird zu einem Abgrund, in den man hineinschaut." (Werner Herzog)


You're free to go now wherever you want" heißt es in einem der Filmsongs. Die Protagonisten dieser wunderbaren semidokumentarischen Tragikomödie haben sich diese Freiheit genommen und sind in Indien oder Thailand gelandet. Fast alle sind sie unterwegs zu sich selbst, wenn auch auf ganz unterschiedlichen Wegen. Die beiden jungen Briten Joshua und Adam suchen den Kick bei exzessiven Raves unter freiem Himmel. Marion hofft in einem Meditationsdorado für Sinnsuchende genug Seelenruhe zu finden, um über ihre kriselnde Beziehung nachzudenken. Der Ire Liam begibt sich, fernab der üblichen Touristenpfade, auf eine Reise durch das "echte" Indien – und will letztlich doch nur vor seiner ungewollten Vaterschaft fliehen. Svenjas Suche hingegen scheint sehr viel profaner. Sie bemüht sich lediglich um einen Anschlussflug nach Schanghai, der aber an den Englischkenntnissen des Mitarbeiters im örtlichen Reisebüro zu scheitern droht. Im Lauf der zahlreichen Telefonate entspinnt sich fast so etwas wie eine Liebesbeziehung.


Ein sehr origineller griechischer Reporter nimmt uns mit in sein Heimatland und ins Reich der modernen griechischen Mythologie. Er ist auf der Suche nach den Kamakia, jenen sagenumwobenen griechischen Liebhabern aus dem Zeitalter des frühen Massentourismus der 60er Jahre. Scharen freizügiger Nordeuropäerinnen hatten damals bei ihren streng katholischen Gastgebern einen Kulturschock ganz eigener Art ausgelöst und die „Helden der Insel“ auf den Plan gerufen. Doch gibt es sie noch heute? Was ist das Geheimnis ihrer legendären Manneskraft? Obwohl die Einheimischen dem engagierten Reporter Kosta Rapadopoulos bereitwillig Auskunft geben, stellt er bald fest, dass er tiefer bohren muss um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen ...   


Was früher der Wilde Westen war, ist heute der Weltraum. In seine unendlichen Weiten werden Traumbilder projiziert, die keinen rechten Platz mehr haben auf der rundum erschlossenen Erde. Die deutsche Science Fiction hat ihren eigenen Botschafter im All: Perry Rhodan, den Titelhelden der legendären Heftromanserie. Am 8. September 1961 erschien Heft Nummer 1 von „Perry Rhodan. Der Erbe des Universums“ und schlug in Deutschland ein wie ein Komet. Der Film portraitiert die Macher, die Leser und das faszinierende Drumherum der Serie. Es gibt eine eingeschworene Fangemeinde vom älteren Sammler bis hin zum Schulkind mit frappierendem Fachwissen und leidenschaftliche Autoren, für die Perry Rhodan nicht nur Beruf, sondern Teil des eigenen Lebens ist. Der Film findet außergewöhnliche Drehorte, an denen die Verbindung von Fantastischem und Realem spürbar wird. Er hat Science Fiction nicht nur zum Thema, sondern findet auch hier auf der Erde Menschen und Situationen „wie von einem anderen Stern“.


„Kolumbus hat die Ureinwohner damals auch nicht verstanden.“ Mit der Haltung des interessierten Fremden, der kein Verständnis heuchelt, wo kein Verständnis herrscht, nähert Thomas Heise sich der indigenen Gemeinschaft der Kollas von Tinkunaku, im Nordwesten Argentiniens. Die Lebensbedingungen auf dreieinhalbtausend Meter Höhe sind karg. Die Menschen leben hier mit den Jahreszeiten, der ehrfurchtgebietenden Natur und überlieferten Traditionen. Lehmziegel werden gebrannt, Stiere kastriert, Mais gemahlen. Gesprochen wird vor der Kamera wenig, und das was gesagt wird, bleibt im Film unübersetzt und damit fremd. Die Begegnung zwischen uns und den Protagonisten beschränkt sich auf die Bilder, die weder von einem Kommentar noch von Interviews auf eine Bedeutung reduziert werden. Diese Bilder sind wunderbar anzusehen, doch sie entwerfen kein behütetes Paradies, sondern einen im Wandel begriffenen, infrage gestellten, fragilen Lebensraum.


Im Juni 2009 fanden im Iran Präsidentschaftswahlen statt. Nachdem Präsident Mahmud Ahmadineschad in seinem Amt betätigt war, wurden mehr und mehr Stimmen im Volk laut, die hinter der Wahl eine Manipulation vermuteten – es kam zu Protesten und Ausschreitungen, die von den staatlichen Milizen mit Gewalt und Terror unterbunden wurden. Der Versuch einer Chronik der sogenannten Grünen Revolution ist das Thema dieses Films, der mit Collageartig verknüpften Motion-Comicsequenzen arbeitet. Die dramatischen Geschehnisse um die Protestbewegung und die Gefühle der überwiegend jungen Menschen hinter der Opposition im Iran stehen im Fokus dieses Films. Dabei arbeitet der Regisseur mit allen ihm zur Verfügung stehenden Quellen der Gegenwart. Zitiert werden u.a. Internettagebücher, Blogs, Handyvideos, Twitter- und Facebooknachrichten. Es entsteht eine mutige Collage des Protests, ein Plädoyer für Demokratie und Zivilcourage.


Als ein Autounfall während der Schwangerschaft ihnen die Endlichkeit des Lebens vor Augen führt, wird den Filmemachern Marie-Catherine Theiler und Jan Peters plötzlich klar, dass ihr Leben völlig falsch getaktet ist. Sie verbringen zu viel wertvolle Zeit damit, von einer Verabredung zur nächsten zu hetzen und sich Deadline um Deadline zu setzen. Sie beschließen, ihr Leben zu entschleunigen. Aber wie? Auf einer komischen Odyssee von einem Zeitexperten zum nächsten, stellen Marie-Catherine und Jan genau die Fragen, auf die die meisten von uns gern eine Antwort hätten. Bis ihr Kind auf die Welt kommt, setzt das Regisseurenpaar alle Hebel in Bewegung und untersucht mit Witz und Ironie, wie die heutige Gesellschaft und vor allem sie selbst mit „ihrer“ Zeit umgehen.