Filmprogramm Junge Doks

Mit unserem Filmprogramm "Junge Doks" möchten wir vor allem Schüler und Jugendliche ansprechen und ihnen nach jeder Filmvorführung Gelegenheit zu einem Dialog mit den Filmemachern geben.


Do, 8. März, 10.30 Uhr


D/Südafrika 2017, 58 Minuten, OmU

Regie, Buch, Ton: Ilja Stahl

Kamera: Niclas Reed Middleton

Montage: Florian Riegel

Produktion: Weydemann Bros., KHM Köln


Johannesburgs Stadtteil Hillbrow steht für Gewalt, Arbeits- und Perspektivlosigkeit. In diesem Mikrokosmos aus Beton wachsen Tebogo und Karabo auf. In Tiefgaragen, auf Hochhausdächern, auf der Straße schlagen sie Zeit tot oder träumen den Traum von einer Karriere als Hip-Hopper. Doch so richtig wissen sie und ihre Freunde nicht, wohin mit dem Überschuss an Energie und Langeweile. Jeder sucht seine eigene Strategie. Bei aller Coolness-Attitüde macht Karabo sich durchaus Gedanken über die Allgegenwart der Gewalt wie auch über die fortwährenden Auseinandersetzungen mit seiner Mutter. Tebogo hingegen wirft sich mit einer „jetzt-erst-recht“-Geste dem Leben entgegen, indem er etwa an der Kante eines Hochhauses entlangtänzelt. Die Kamera wird zum Teil der jugendlichen Gruppe, wenn diese Flachdächer und Tiefgaragen als kleine urbane Inseln für sich erobern oder sich ins Getümmel der Straßen stürzen. Sie ist immer ganz dicht dran an den Protagonisten, die keinerlei Scheu haben, auch mal das Heft des Films in die Hand zu nehmen - und so für einen kurzen Moment Regisseure ihres eigenen chaotischen Lebens zu werden.


Christian Zingg ist Lehrer in Basel. In seiner Klasse sitzen junge Flüchtlinge, die er auf das Berufsleben in einem fremden Land vorbereiten soll. Ehsanullah aus Afghanistan etwa oder die albanischen Geschwister Naslije und Ismail, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Hier, im Klassenzimmer finden sie ein Refugium, dürfen von einer besseren Zukunft träumen. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht. Nach zwei Jahren sollen sie integriert und erwachsen sein und außerdem in der Schweizer Arbeitswelt funktionieren. Mit großer Empathie begleitet Anna Thommen die Klasse vom ersten bis zum letzten Moment. Dank der sensiblen Beobachtung und konzentrierten Montage kommt man den Portraitierten ungewöhnlich nahe. Man fiebert mit ihnen mit, wenn sie zum wiederholten Male vergeblich versuchen, eine Lehrstelle zu bekommen. Und man wünscht ihnen, dass der Glaube des Lehrers an seine Schützlinge auf sie selbst abfärbt. Stets präsent ist der heimliche Held des Films, Christian Zingg, der alles tut für seine Schüler. Der nicht anders kann, als die Jugendlichen in sein Herz zu schließen. Ein Gefühl, das sich spürbar erst auf die Filmemacherin, dann auf die Zuschauer überträgt.


Preise:
First Steps Award 2013, Bester deutschsprachiger Dokumentarfilm Zürich Film Festival 2013, Lobende Erwähnung Max Ophüls Preis 2014, Publikumspreis Solothurner Filmtage 2014, Preis der SOS-Kinderdörfer DOK.fest München 2014, Basler Filmpreis 2014