Filme 2019 (Reihenfolge nach Spielplan)

 


Do, 14. März, 10.30 Uhr


D 2016, 73 Minuten, OmU

Regie, Produktion: Gudrun Gruber

Kamera: Bernd Effenberger

Montage: Gaby Kull-Neujahr

Musik: Dominik Giesriegl

Sounddesign: Jörg Elsner

Produktion: HFF München


Das Grenzland zwischen Mexiko und den USA, ein Ort der Abwehr und der Verheißung. Die Mauer, die Donald Trump seinen Wählern versprochen hat, spaltet seit Jahren die Gesellschaft und die politischen Lager. Der Film aus dem Jahr 2016 gewinnt durch die fortlaufende Debatte eine nicht geahnte Aktualität. Denn schon vor Trumps Präsidentschaft sind knapp ein Drittel der über 3000 km langen Staatsgrenze durch mehr oder weniger durchlässige Grenzanlagen befestigt. Gudrun Gruber begleitet unterschiedlichste Akteure auf US-amerikanischer Seite: Farmer, deren Land als „Niemandsland“ gilt und die zwischen den Bedürfnissen nach Sicherheit und Freiheit gefangen sind. Aktivistinnen, die Wasservorräte in der Wüste deponieren. Freiwillige einer Bürgerwehr, die ihre Grenzpatrouillen auch als eine Art humanitären Auftrag verstanden wissen wollen. Indigene, deren Land durch den Grenzverlauf geteilt wird. Der Film zeigt, vor welche alltäglichen Probleme und moralischen Entscheidungen diejenigen gestellt sind, die an und mit der Grenze leben, und stellt die Frage nach der Menschlichkeit und Selbstverantwortung des Einzelnen.

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Sascha Anderson war mehr als nur irgendein DDR-Underground-Künstler der 80er Jahre. Er war der Dreh- und Angelpunkt der Szene vom Prenzlauer Berg, er organisierte Lesungen, Happenings und Konzerte. Doch nach der Wiedervereinigung wurde bei der Durchsicht der Stasi-Akten klar: Anderson hatte jahrelang als Inoffizieller Mitarbeiter Informationen an die Staatssicherheit durchgestochen. Ein Skandal. In den Geschichtsbüchern ist er seither, dank Wolf Biermann, als Sascha „Arschloch“ verewigt.  Annekatrin Hendel konfrontiert ehemalige Weggefährten wie auch Sascha Anderson selbst mit der Vergangenheit. Waren seine Taten wirklich nur das „kleinere Übel“? Gab er nur über einige Informationen an den Überwachungsstaat weiter, damit der Rest sein künstlerisches Wirken fortsetzen konnte? In dem Film kommen Protagonisten von damals an einem virtuellen Tisch zusammen, an den Anderson seit fast 25 Jahren nicht mehr eingeladen wird.

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Preise:
Preis der multireligiösen Jury für den Film mit dem gesellschaftlich höchsten Mehrwert, Filmfest Potsdam 2014

Tracing Addai

(Junge doks)

Fr, 15. März, 10.30 Uhr


D 2018, 30 Minuten,

Buch: Esther Niemeier, Sarah-Christin Peter, Britta Strampe

Regie: Esther Niemeier

Animationsregie: Jan Koester

Kamera: Omri Aloni

Ton: Alexandra Praet

Montage: Sarah-Christin Peter

Produktion: Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

Redaktion: rbb (Redaktion Rolf Bergmann)


Eines Tages ist Addai verschwunden. Sechs Wochen später erhält seine Mutter eine E-Mail: „Ich bin nicht weggegangen, weil ich von dir weg wollte, merk dir das.“ Addai ist dem IS nach Syrien gefolgt und wird nicht mehr zurückkommen. Seine Mutter sucht verzweifelt nach Antworten. Was trieb ihn an? Wie ist er gestorben? Schließlich öffnet der Brief eines verurteilten Terroristen eine neue Spur. Aus der Begegnung von Addais Mutter mit Ilias, einem Rückkehrer aus Syrien, ergeben sich einzelne Linien, mittels derer sich die Geschichte des Sohnes und Kameraden fragmentarisch nachzeichnen lässt. Mit Hilfe von Animationen unternimmt der Film eine Rekonstruktion dessen, wovon reale Bilder fehlen. So entsteht eine sehr persönliche Geschichte über einen andauernden Krieg.

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Preise:
Beste Produktion, Sehsüchte 2018; Audience Award, Tampere 2018; Best Short, Docaviv – International Shorts Competition 2018; Publikumspreis Dokumentarfilm, Open Eyes Marburg 2018; Spezialpreis der Jury, Shortynale 2018

Soldaten stehen Wache am Fluss, Politiker widersprechen einander, internationale Vermittler verharren im Status Quo. Im „eingefrorenen Konflikt“ zwischen der Republik Moldau und Transnistrien um dessen Unabhängigkeit prallen Wahrnehmungen und Wahrheiten aufeinander. Während die einen eine Annäherung an den Westen anstreben, suchen die anderen die Nähe zu Russland. Die Fronten sind festgefahren, jede Seite beharrt auf ihrem Recht. Eine politische Pattsituation, die sich einer echten Konfliktlösung verweigert und die Perspektivlosigkeit der Region zementiert. Das Leben im Grenzgebiet geht unterdessen weiter. Und so lässt sich das Bild des trilateralen Friedenspostens an der Grenze – mit einem russischen, einem moldauischen und einem transnistrischen Soldaten unter einem Dach – als Parabel lesen auf das Miteinander der Bevölkerungsgruppen und gleichzeitig als Ausdruck des Konflikts.

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Lindas Welt wird von vier Wänden begrenzt – ihren eigenen. Draußen lauert das Leben, das ihr den Atem raubt. Sie leidet unter Agoraphobie, der Angst vor der Außenwelt. Ihre Wohnung ist ihr Schloss, ihre Festung. Die ganze Welt wird dort zur Miniatur, im wörtlichen Sinn. Ihre Zeit verbringt sie mit dem Bauen filigraner Papiermodelle von Räumen und Orten. Kein Detail ist zu unwichtig. Menschen kommen darin nicht vor. In ihrer Welt kann sie sich den Blicken anderer entziehen. Auch für die Kamera bleibt sie unsichtbar und doch omnipräsent über den Ton. Nur einmal verlässt sie die Wohnung, um in hastigen Schritten den nahegelegenen Parkplatz zu erkunden. Als Zuschauer erlebt man, aus ihrer Perspektive, wie die Panik steigt, bis sie endlich die Tür, die Sicherheit verspricht, wieder erreicht.

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Zwei Frauen, zwei Leben, geeint durch ähnliche Taten. Margit, geboren 1931 und Irina, geboren 1945. Beide lebten jahrzehntelang unscheinbar und gefangen in ihren Rollen als Haus- und Ehefrauen – nach dem Motto „Sie führt den Haushalt, der Mann führt Buch“.  Man hätte von ihnen wohl nie erfahren, hätten nicht beide – im Abstand von zehn Jahren – sich mit Gewalt von den Fesseln ihres Ehelebens befreit. Ausgehend von zwei Zeitungsartikeln rekonstruiert Alex Gerbaulet die Lebensgeschichten dieser Frauen, deren Persönlichkeiten hinter ihren Rollen zum Verschwinden gebracht wurden. Irgendwo zwischen Dokument und Fiktion verortet, rückt der Film einen imaginierten Schauplatz in den Fokus, an dem alles bis ins kleinste Detail arrangiert ist. Die Figur der Hausfrau scheint omnipräsent, entzieht sich der Kamera jedoch. Dadurch weitet sich die Geschichte über die Einzelschicksale hinaus und lässt Raum für die eigene Vorstellungskraft.

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Ein Auto fährt auf einer Landstraße durch die Nacht. Gäste einer Poolparty feiern ausgelassen. Aus der Vogelperspektive ist die Welt eine ferne Idylle. Die Menschen werden zu Ameisen, Siedlungen zu Modellkästen. Die ruhige Ästhetik der Luftbilder wird gebrochen durch Erzählungen aus dem Off, die von Überwachungsvorgängen und militärischer Routine berichten. In der Regel liegen Tausende Kilometer zwischen den US-Drohnenpiloten und ihren Geräten, die lautlos Ziele ins Visier nehmen. Manchmal stellt sich bei den Spähern ein Gefühl der Nähe zu ihren anvisierten Opfern ein, die sie über Tage und Wochen beobachten. Doch der Grat zwischen reiner Beobachtung und der Erfassung potentieller Opfer ist ein schmaler. Denn oftmals haben die Piloten nur einen Auftrag: find, fix, finish.

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Es war einer der größten Justizskandale Bayerns. Unrechtmäßig  in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, wurde Gustl Mollath zum Helden stilisiert und zur Projektionsfläche für gesellschaftliche Missstände. Annika Blendl und Leonie Stade begleiten Mollath bei seinem neuen Alltag in Freiheit nach über sieben Jahren in der Psychiatrie. Es ist die Zeit vor der Wiederaufnahme des Verfahrens. Mollath, dem selbst sein Anwalt eine gewisse „Widerständigkeit“ attestiert, will sich nicht mit weniger zufrieden geben als mit einer vollständigen Rehabilitierung. Doch nicht alle sehen in ihm nur ein Opfer. Die beiden Filmemacherinnen nähern sich der komplexen Persönlichkeit ihres Protagonisten ohne Vorverurteilung oder Parteinahme. Stattdessen wirft ihr Film Fragen auf: Was macht so eine Geschichte mit einem Menschen? Wo hört ausgeprägtes moralisches Empfinden auf, und wo fängt Wahnsinn an? Welche Schuld trägt die Justiz? Und ist Mollath wirklich vollkommen unschuldig?

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Im Hunza-Tal im Norden Pakistans wurde 2010 in Folge eines gigantischen Bergsturzes ein dreißig Kilometer langer, türkisfarbener See aufgestaut. Zahlreiche Häuser und Felder wurden ganz oder teilweise überflutet. Doch für die Bewohner des Tals wurden nicht nur die wirtschaftliche Grundlage und die gewohnte Infrastruktur zerstört; etwas viel Grundlegenderes ist durch die Katastrophe aus den Fugen geraten. Die Beziehung zwischen den Menschen und der sie umgebenden Gebirgswelt scheint gestört. Der Film beobachtet die Bewohner eines Dorfes beim Wiederaufbau ihrer Existenz. Dabei wird der dokumentarische Zugang mit der Erzählung einer mythischen Geschichte verwoben, die von der gegenseitigen Verletzlichkeit von Mensch und Natur handelt. In beeindruckenden Bildern wird so das Gefühl von Bedrohung und Verbundenheit spürbar, das sich der direkten Beobachtung entzieht.

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Als der Regisseur Andrei Schwartz und der Häftling Gavriel Hrieb, der eine lebenslange Haftstrafe in einem Hochsicherheitsgefängnis verbüßt, sich bei Dreharbeiten kennenlernen, springt der Funke der Sympathie zwischen den zwei Männern schnell über. Die Verbundenheit der beiden hält der Zeit stand. Erschien eine vorzeitige Haftentlassung lange Zeit nicht absehbar, wird Gavriel nach 21 Jahren im Knast schließlich doch begnadigt. Andrei Schwartz begleitet ihn bei der Rückkehr in ein Leben, das einen verurteilten Mörder keineswegs mit offenen Armen empfängt. Aber über der Freundschaft lastet die Frage, was seinerzeit tatsächlich geschah. War es tatsächlich Rache an einer Staatsanwältin, die Gavriel als „lausigen Juden“ erniedrigt und für eine Verurteilung ohne handfeste Beweise gesorgt hatte? Um seinen Zweifeln zu begegnen, beantragt der Filmemacher schließlich Einsicht in die Prozessakte. „Himmelverbot ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass die Dinge nicht immer sind, wie sie erscheinen.“ (Simone Gaul, ZEIT online)

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Preise:
DEKALOG-Filmpreis der Guardini-Stiftung 2015; Best Documentary in the Romanian Competition, ASTRA International Film Festival, Sibiu 2015; Kamerapreis, Docuart Festival Bukarest 2015

Als Florian Dedek zwei Jahre alt ist, werden seine Eltern als RAF-Terroristen inhaftiert - für einen Anschlag, den sie nicht begangen haben, aber hätten begehen können. Im Gerichtsverfahren verschweigen sie die Wahrheit und stellen politische Ideale und Revolution über Freiheit und Familie. Dedek konfrontiert sich wie auch seine Eltern mit den Auswirkungen und Motiven einer Entscheidung, die von fundamentaler Bedeutung für ihre Lebenswege war. Kindliche Erinnerungen und Bilder aus dem Familienalbum werden essayistisch verwoben mit aktuellen Telefonaten und Begegnungen, die Geschichte der BRD mit der eigenen Familiengeschichte. War der Kampf für die eigene Weltanschauung das alles wert? Halten die alten Ideale nach 40 Jahren der Wirklichkeit noch stand? Der Film, der in seinem Titel aus Fassbinders „Deutschland im Herbst“ zitiert, begibt sich auf die tastende Suche nach einer Antwort, ob es in dieser Geschichte tatsächlich ein was weiß ich was Gutes gibt.


Preise:
International Short Film Award / Norman, Stuttgarter Filmwinter 2017;
Max-Bresele-Gedächtnispreis für ein politisch relevanten Film, Internationale Kurzfilmwoche Regensburg 2017; Hauptpreis des blicke Filmfestival 2018

Eines Tages ist Addai verschwunden. Sechs Wochen später erhält seine Mutter eine E-Mail: „Ich bin nicht weggegangen, weil ich von dir weg wollte, merk dir das.“ Addai ist dem IS nach Syrien gefolgt und wird nicht mehr zurückkommen. Seine Mutter sucht verzweifelt nach Antworten. Was trieb ihn an? Wie ist er gestorben? Schließlich öffnet der Brief eines verurteilten Terroristen eine neue Spur. Aus der Begegnung von Addais Mutter mit Ilias, einem Rückkehrer aus Syrien, ergeben sich einzelne Linien, mittels derer sich die Geschichte des Sohnes und Kameraden fragmentarisch nachzeichnen lässt. Mit Hilfe von Animationen unternimmt der Film eine Rekonstruktion dessen, wovon reale Bilder fehlen. So entsteht eine sehr persönliche Geschichte über einen andauernden Krieg.

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Preise:
Beste Produktion, Sehsüchte 2018; Audience Award, Tampere 2018; Best Short, Docaviv – International Shorts Competition 2018; Publikumspreis Dokumentarfilm, Open Eyes Marburg 2018; Spezialpreis der Jury, Shortynale 2018

Alles beginnt mit einer Häufung merkwürdiger Todesfälle. Darüber berichten die Bewohner eines kleinen Dorfs im Süden Brandenburgs. Sie sitzen in der guten Stube und erzählen frei von der Leber weg. „Ein Dorf ohne Tratsch und Klatsch und das, was passiert, ist doch kein Dorf“, resümiert eine Bewohnerin. „Hier passieren schon krasse Sachen, aber das macht uns keine Angst.“ Der Besuch der Kriminologen scheint mittlerweile Routine zu sein. Immer weiter dringt der Film in die Psyche des Dorfes vor. Vermeintliche Hexen und Aberglaube, wechselnde gesellschaftliche Systeme – nach dem Krieg, in der DDR und nach der Wende – und immer die Sehnsucht nach besseren Zeiten prägen die Erinnerungen. Die Regisseurin gibt den Bewohnern in dieser vielstimmigen Chronik des Sterbens und Lebens eine Bühne, formal sehr streng, doch innerlich frei für das Bittere wie das Komische.

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1980, Westberlin brodelt. Umgeben von der Mauer entwickelt sich die Enklave an der Spree zu einem künstlerischen wie musikalischen Treibhaus. Der junge Musiker Mark Reeder zieht mit Anfang 20 von der legendären Musikszene Manchesters nach Berlin. Schnell ist Reeder mittendrin - als Roadie, Türsteher, Musiker, Manager und als Schauspieler in Kurz- und Undergroundfilmen. Alles ist immer in Bewegung, neue Bands gibt es in ständig wechselnden Konstellationen. Der Film begleitet Reeder auf seinen Streifzügen durch den nächtlichen Großstadtdschungel. In einer virtuos montierten Collage wechseln Super-8-Aufnahmen mit Fotos und Fernsehbildern, schrillen Kunstperfomances oder Konzertszenen. Das Ende des wilden Jahrzehnts markiert mit House und Techno schließlich auch einen großen Umbruch in der Szene. Doch auch über 30 Jahre später springt dieses Gefühl „Westberlin“ immer noch auf den Zuschauer über.

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Die Grenze, das Bordell, die Nachbarschaft, das Konsulat – Tatorte des Frauenhandels. Was als Liebesgeschichte oder verheißungsvolles Jobangebot beginnt, entpuppt sich über kurz oder lang als Falle, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Anja Salomonowitz wählt eine ebenso unkonventionelle wie eindrückliche Form, um betroffene Frauen zu Wort kommen zu lassen. Die Opfer bleiben im Verborgenen, während ihre Geschichten durch Menschen und Orte, die mit ihnen in Verbindung stehen könnten, erzählt werden. Die Aufnahmen der Akteure und Schauplätze liefern keine Bebilderung der Geschichten, sondern öffnen den Raum für den Zuschauer, sich seine eigenen Bilder zu den Erzählungen vorzustellen und Gedanken zu machen. Auf diese Weise treten die perfiden Mechanismen dieses weitgehend unsichtbaren Verbrechens umso deutlicher zutage. Ein außergewöhnlicher Film über moderne Sklaverei, mitten unter uns.

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Preise:
(Auswahl): Wiener Film Preis, Viennale 2006; Caligari-Filmpreis, Internationales Forum des Jungen Filmes, Berlinale 2007; Artistic Innovation Award, Mar del Plata 2007; Preis für die beste Bildgestaltung, Diagonale 2007; Friedensfilmpreis der Stadt Osnabrück, Filmfest Osnabrück 2007

Alfred D. verfolgt sein Hobby mit großer Ausdauer und Leidenschaft. Wo er nur kann, filmt er sich und seine Welt –  auf Reisen, als Entwicklungshelfer, mit seiner Lebensgefährtin und bei Gesprächen mit Figuren der Zeitgeschichte. Immer ist er das Zentrum, der Akteur und Regisseur seines eigenen Films namens Leben. Immer wieder erfindet er sich neu, als Abenteurer oder als “Demokratie-Exporteur”. Stets ist der dort, wo sich die Welt gerade verändert. Das in zwanzig Jahren entstande Videomaterial, das unzählige Kasetten füllt, erhält schließlich ein anderer, um daraus einen Film zu montieren: Ein ehemaliger Kollege und Brieffreund wird der vermeintliche Autor dieses Found-Footage-Films. Er sortiert und montiert die Aufnahmen und (re-)konstruiert so die schier unglaubliche Geschichte des Alfred D.

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Preise:
dokKA Preis, dokKA Dokumentarfilmfestival Karlsruhe 2015

Helmut schreibt Romane, deren Helden nichts Böses im Sinn haben und die immer dramatisch enden. Jeff sieht sich als König – allerdings nicht in dem kargen Land von wenigen Quadratmetern, in dem er gerade lebt, hinter Gitterstäben und dicken Mauern. Helmut und Jeff sind Insassen der JVA Tegel, ebenso wie sechs weitere Protagonisten dieses Films. Adrian Figueroa gibt ihnen eine Bühne, auf der sie über ihre verkorkste Vergangenheit reden, ihre Gegenwart reflektieren oder aber von einem anderen, unendlich fernen Leben träumen dürfen. Indem er sich ihnen assoziativ annähert, gibt der Filmemacher den Häftlingen ein Stück Freiheit zurück. Dabei wird die Gemachtheit der Aufnahmen immer wieder ausgestellt. Und ganz allmählich verwischen die Welten – oder wie Helmut es formuliert: „Das, was man hier erlebt, ist so weit jenseits von Gut und Böse bzw. so weit jenseits von der Realität, dass man sagen kann: Es ist zwar hier drin real, aber das kann sich draußen niemand vorstellen.“

Webseite und Trailer


Preise:
Bester Dokumentarfilm mittellang / kurz, 14. achtung berlin 2018; 2. Preis Dokumentarfilm, 25. Openeyes Filmfest Marburg 2018; Bester Dokumentarfilm, Boddinale 2019

Im idyllischen Schweizer Kanton Aargau wird Anfang der 40er Jahre der gebildete Kunstliebhaber Markus Roth in den Großen Rat der Aargauer Regierung berufen. Fortan setzt er sich für die Einführung eines bahnbrechenden Kulturgesetzes ein: 1% des Kantonshaushalts soll der Kulturförderung vorbehalten sein. Bis dieses Gesetz zur Abstimmung kommt, sollen jedoch noch viele Jahre vergehen. Unterdessen probiert sich der junge Aktionskünstler Kurt K. Bachofen, angetrieben von der spürbaren Aufbruchstimmung, in der subversiven Kunstwelt der 60er aus. Von der Öffentlichkeit unverstanden und chronisch in Geldnot, nimmt er einen Job als Gehilfe im Cerner Teilchenbeschleuniger an, wo er 1967 auf einmal spurlos verschwindet. Mittels Super-8-Material und rekonstruierten Szenen verwebt der Film die beiden Erzählstränge zu einem kunstvoll verspielten Stimmungsbild einer nicht nur für den Kanton Aargau bewegten Zeit.

Webseite


Die Überwindung der Erdanziehung ist ein uralter Menschheitstraum. Dr. Nick Laslowitz, Gründer und Vorstand des Institute for Centrifugal Research, ist sich sicher: „Die Schwerkraft ist nur ein Fehler der Natur.“ In dem Institut forschen Wissenschaftler an den Auswirkungen der Fliehkraft auf die menschliche Hirnaktivität. Für ihre Messungen und Experimente optimieren sie herkömmliche Jahrmarktfahrgeschäfte zu hyperrealen Konstruktionen. Ihre These: Extreme Fliehkräfte steigern die Leistungsfähigkeit des Gehirns enorm. 2011 hat ein junges Filmteam das Institut besucht.  Was sie gedreht haben, ist schier unglaublich. Vom „Spheroton“, einer Entwicklung von 1982, über die „High Altitude Conveyance“ von 1991, bis zur jüngsten Entwicklung, dem „Steam Pressure Catapult“, dient alles der Forschung von Dr. Laslowitz und einer besseren Zukunft: „Wir wirbeln Menschen durch die Luft – für zukünftige Generationen.“


Preise:
(Auswahl): Publikumspreis, Filmfestival Münster (2011); Deutscher Kurzfilmpreis 2012; Lobende Erwähnung der Jury, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2012; Best Film, Short Films Competition, 34. Moscow International Film Festival 2012; Publikumspreis Regensburger Kurzfilmwoche 2012; Best Short, Aspen Shortsfest 2012

Ein Stück Land in Brandenburg, isoliert von der Außenwelt und von Kameras überwacht. Hier lebte 2015 eine Gruppe von Menschen, um in der Reality-TV-Show „Newtopia“ eine eigene und neue Gesellschaftsform zu gründen. Das Projekt endete nach wenigen Monaten im Streit, weil der Sender Einfluss auf das Verhalten und die Entscheidungen der Bewohner nehmen wollte. Ein Jahr später kehren sechs Teilnehmer zurück. Wo sich eine Scheune, ein See, Kühe und ein hoher Militärzaun befanden, wachsen nun Gras und Büsche. Nur wenige Spuren sind von der künstlich entworfenen Utopie geblieben. Die Rückkehrer bewegen sich durch das Dickicht ihrer Erinnerungen. Jede Person wird dabei von einem weißgekleideten Alter Ego begleitet – Schauspielern, die signifikante Szenen und Situationen aus dem Gruppen-Experiment rekonstruieren. Im Wechselspiel aus Kamera, Schauspielern, Regisseurinnen, Beobachtern und Akteuren verschwimmen die Grenzen: Wer bekleidete damals welche Rolle und wer bestimmt die Regeln jetzt? (Filmfestival Max-Ophüls-Preis)

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Preise:
Basler Filmpreis 2018

Im Rahmen der diesjährigen Preisverleihung vergibt die Jury den mit 2000 Euro dotierten Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling sowie einen hochwertigen AVID-Schnittpreis für die herausragendste Montage eines Films. Der Bürgerpreis in Höhe von 750 Euro wird in guter Tradition von unserer "Schülerjury" vergeben.

Musikalisch dürfen wir uns am dem Abend auf "Vero Reiser" freuen.

Im Rahmen der Preisverleihung zeigen wir die beiden am Gymnasium Bad Aibling und Gymnasium Bruckmühl entstandenen Kurzfilme. Die Schüler wurde im Rahmen unseres Junge Doks Programms von der Nonfiktionale begleitet.


Schülerfilm Bad Aibling

Aus dem Leben eines wahren Großvaters 

Facetten bewegten Lebens. Der Film macht sich auf die Suche nach dem, was junge Menschen an ihrem Opa interessiert. Die Jugendlichen erzählen, was sie von ihrem Großvater wissen: Schulerlebnisse, berufliche Entwicklungen, traumatische Kriegserfahrungen und besonders Haltungen gegenüber der Welt. Kaleidoskopartig formt sich - durch eine radikale Schnitttechnik - aus den verschiedenen Lebensläufen der eine, der „wahre“ Großvater. Und mit der Erinnerung kristallisiert sich heraus, was von den Opas bleibt und überlebt.

Beteiligte Schüler: Jonathan Dietel, Dominik Englhauser, Stephan Helbing, Finn Herold, Fiona Krech, Clemens Müller, Andreas Schiffmann, Anna Schwerdtel, Florian Sommer, Sehra Sulcova, Beyza Türker, Maleen Varbanov, Lena Winzenburg, Jakob Zweckstetter

 

Schülerfilm Bruckmühl

Nonfiktionale - echt wahr?!
Unter diesem Motto findet im Frühling 2019 die Nonfiktionale, inzwischen bereits zum 12. Mal, statt. Doch wie entstand die Idee mitten in der oberbayerischen Voralpenidylle ein Dokumentarfilmfestival zu veranstalten? Wie gehen die Organisatoren dabei überhaupt vor? Und wie schaffen sie es, auch junge Leute für Dokumentarfilme zu interessieren? In einer ersten Annäherung an das Thema Dokumentarfilm, der im kommenden Jahr ein eigener filmischer Beitrag folgen wird, wagen Schüler des Gymnasiums Bruckmühl einen Blick hinter die Kulissen der Nonfiktionale.

Beteiligte Schüler: Noah An der Lan, Alexander Basan, Jessica Casdorff, Elias Hoika, Hugo Körber, Korbinian Kriener, Sarah Kuchlmeier, Mika Müller, Tobias Radzey, Nicolas Schraml, David Spänkuch, Sandra Stadler, Sascha Stieben, Laura Würmüller


Welche Filme bei der diesjährigen Nonfiktionale gewonnen haben und welchen Film wir am Donnerstag wiederholen, erfahren Sie am Montag, dem 18.03.19 auf unserer Webseite.