Do, 16. März, 19.00 Uhr


D 2016, 73 Minuten, OmU

Regie, Produktion: Gudrun Gruber

Kamera: Bernd Effenberger

Montage: Gaby Kull-Neujahr

Musik: Dominik Giesriegl

Sounddesign: Jörg Elsner

Produktion: HFF München


Das Grenzland zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten, ein Ort der Abwehr und der Verheißung. Knapp ein Drittel der über 3000 km langen Staatsgrenze wurde in den letzten Jahren durch mehr oder weniger durchlässige Grenzanlagen befestigt. Den einen ist die Sicherung zu lasch, die anderen sehen sie als Ausdruck einer menschenfeindlichen Politik. Einigkeit herrscht nur darüber, dass dort, wo der Staat versagt, Eigeninitiative gefordert ist. Gudrun Gruber begleitet unterschiedlichste Akteure auf US-amerikanischer Seite: Farmer, deren Land als „Niemandsland“ gilt und die zwischen den Bedürfnissen nach Sicherheit und Freiheit gefangen sind. Aktivistinnen, die Wasservorräte in der Wüste deponieren. Freiwillige einer Bürgerwehr, die ihre Grenzpatrouillen auch als eine Art humanitären Auftrag verstanden wissen wollen. Indigene, deren Land durch den Grenzverlauf geteilt und deren Leben von dieser Grenzziehung bestimmt wird. Der Film zeigt, vor welche alltäglichen Probleme und moralischen Entscheidungen diejenigen gestellt sind, die an und mit der Grenze leben. Jenseits politischer Parolen stellt er damit die zentrale Frage nach der Menschlichkeit und Selbstverantwortung des Einzelnen.

 

Trailer zum Film


Der Kapitän und sein Pirat

(Junge doks)

Do, 16. März, 10.30 Uhr


D/Belgien 2012, 76 Minuten, OmU

Regie: Andy Wolff

Kamera: Andy Wolff, Tobias Tempel, Yusuf Guul

Montage: Ulrike Tortora, Michèle Hubinon

Musik: Sebastian Zenke

Produktion:  Brockhaus/Wolff, Mans Films Productions

Redaktion: Jutta Krug (WDR), Claudia Gladziejewski (BR)


Ein provisorisches Piratencamp in der somalischen Wüste und eine psychosomatische Klinik in Deutschland. An diesen voneinander so weit entfernten Orten treffen wir zwei Männer: den wortgewandten Piratenchef Ahado und den traumatisierten deutschen Kapitän Krzysztof Kotiuk. Nach und nach erfahren wir die Einzelheiten der erschütternden vier Monate, die sie gemeinsam als Geiselnehmer und Gefangener auf dem Containerschiff Hansa Stavanger verbracht haben. Während dieser Zeit entwickelte sich eine ungewöhnliche Beziehung, die von Ängsten, Zwängen und Interessen, aber auch von gegenseitigem Respekt bestimmt war. Die Entscheidungen des Kapitäns in dieser extremen Situation führten zu einem Vertrauensbruch mit der eigenen Mannschaft. Der Film zeichnet ein Bild der Ereignisse, indem er die Erinnerungen der beiden ungleichen Männer zusammenführt. Entstanden ist ein spektakulärer Film. Neben den seltenen Einblicken in die Denk- und Lebensweise eines modernen Piraten offenbart er zugleich die innere Zerrissenheit des Kapitäns, der noch immer eine Geisel der Ereignisse ist, die ihn seinen Ruf, seinen Job und seine Gesundheit gekostet haben.

 

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Preise:
Spezialpreis der Jury, Millenium Film Festival Brüssel 2013; Preis der Jugendjury, DOK Leipzig 2012; Preis der DEFA-Stiftung, Max Ophüls Preis 2013; FFF-Förderpreis Dokumentarfilm, DOK.fest München 2013; Bester Film, Cebu International Documentary Film Festival 2013; Bester Dokumentarfilm, Zagreb International Film Festival 2013; Bestes Drehbuch, Kinofest Lünen 2013; Bester Schnitt, Deutscher Kamerapreis 2014

Beyond Punishment

(Junge doks)

Fr, 17. März, 10.30 Uhr


D 2015, 98 Minuten, OmU

Buch, Regie: Hubertus Siegert

Kamera: Marcus Winterbauer, Jenny Lou Ziegel, Börres Weiffenbach

Montage:  Anne Fabini

Ton: André Zacher, Moritz Springer

Diego Reiwald

Produktion: S.U.M.O Film, DOCDAYS Productions

Redaktion: Udo Bremer (ZDF/3sat)


Hier: Menschen, die getötet haben; dort: Opferfamilien, die unendlichem Schmerz ausgesetzt sind. Eine angemessene Form der Bestrafung zu finden, ist Aufgabe der Justiz. Den Angehörigen bleiben die Verzweiflung sowie der Wunsch nach Vergeltung. Dass beide Seiten keinen wirklichen Frieden finden können, ist Teil dieser Logik. Doch was würde sich ändern, wenn Täter und Opfer sich gegenüberstünden? Würde die Ungeheuerlichkeit der Tat in ein anderes Licht  gerückt – oder gar so etwas wie Vergebung möglich? "Beyond Punishment" begibt sich auf die Suche nach solch fundamentalen Fragen, indem er die Geschichte von Leola, Lisa und Sean (USA), von Erik und Stiva (Norwegen) und von Patrick und Manfred (Deutschland) erzählt. In allen drei Geschichten hat ein Mord die Beteiligten gezwungen, für sich eine Haltung zu Schuld und Sühne zu finden. Die Rolle des Regisseurs geht dabei über eine reine Beobachterposition hinaus. Vielmehr initiiert er die Konfrontation der beiden Seiten und macht dabei deutlich, wie schwierig und vom Scheitern bedroht ein solcher Dialog ist.

 

Webseite/Trailer zum Film: www.beyondpunishment.de


In Austin, Texas, mitten im religiösen Bible Belt betreibt eine Gruppe von Atheisten die wöchentliche Talkshow „The Atheist Experience“. Die Moderatoren laden Anrufer zu Live-Diskussionen vor der Kamera ein. Meist rufen gläubige Christen an, um sich dem propagierten „positiven Atheismus“ der Sendungsmacher entgegenzustellen. Und weil in den USA alles irgendwie mit Religion zu tun hat, wird hier verhandelt, was die Nation bewegt. Der Film kontrastiert die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen am Telefon über Gott, Moral, Politik und Eigenverantwortung mit Szenen religiösen Eifers: inbrünstige Errettungsrituale, gemeinsame Gebete vor einem Autorennen, Prediger in Cowboy-Montur oder Mega-Gottesdienste im Stadion. Die improvisierte kleine Sendung, die der christlichen Medienmacht etwas entgegensetzen will, ist inzwischen eine Institution und wichtiger Diskurs-Ort geworden. Doch die Fronten zwischen den Lagern sind verhärtet. Ein Reverend ist überzeugt, die Atheisten führen direkt zur Hölle. Doch scheint für alle Beteiligten zu gelten: Die Hölle, das sind die Anderen.

 

Webseite/Trailer zum Film: www.ifproductions.de/node/140


Preise:
FFF Förderpreis Dokumentarfilm 2015

Nach Verbüßung einer langjährigen Haftstrafe zieht der Sexualstraftäter Karl D. zu seinem Bruder und dessen Familie in ein kleines Dorf. Doch die Bewohner machen massiv Front gegen den unter polizeilicher Beobachtung stehenden "Kinderschänder". Sie fürchten um die Sicherheit ihrer eigenen Kinder. Karl D. weist indes jede Schuld von sich und sieht sich selbst als Opfer. Er und die Familie können die eigenen vier Wände nicht ungehindert verlassen, die Jalousien zur Straße sind immer geschlossen. Als die Situation zu eskalieren droht, kommt es unter den Demonstranten zu ersten Auseinandersetzungen. Einige Frauen hinterfragen ihre Aktion und beschließen, Kontakt zur Familie des Straftäters aufzunehmen. Der Film begegnet beiden Seiten mit Respekt und lässt beide zu Wort kommen. „Wie hält man sich aus seinem Sujet raus, auch wenn es einen noch so berührt? Wie hält man die Spannung aus, sich nicht in die Entscheidungen der Leute einzumischen, die man dokumentiert? All das sind Fragen, die "Auf Teufel komm raus", dieser zutiefst integre Film über einen unlösbaren Konflikt, auch verhandelt.“ (taz)


Preise:
Förderpreis der Stadt Duisburg, duisburger filmwoche 2010, Starter Filmpreis der Stadt München 2011, Nominierung Grimme Preis 2012

1986 endet eine Kunstaktion in West-Berlin, bei der ein weißer Strich um die Berliner Mauer gezogen werden soll, mit einer Verhaftung. Regisseur Gerd Kroske zeichnet die Lebenswege der Beteiligten nach, die aus der Weimarer Punk- und Indie-Szene stammen und portraitiert auf diese Weise eine Gegenbewegung innerhalb der DDR. Wie sich nach der Wende zeigt, gab es in der „Spaßfraktion“ einen Verräter, der wertvolle Informationen über die Szene preisgab. Der Spitzel war der Bruder eines der Aktionskünstler. Gerd Kroske bewegt sich in einem permanenten filmischen Balanceakt zwischen den ehemaligen Freunden, dem Verräter und der eigenen Biographie. “Während der Dreharbeiten bin ich zusehends an die Grenzen des Regieführens gelangt, da ich zum einen Katalysator der Erinnerungsarbeit wurde. Das legt einiges frei. Zugleich hatte ich als Mediator zwischen den Beteiligten der vergangenen Geschichte und deren seither verkorksten Möglichkeiten zu agieren. Sich dabei nicht benutzen zu lassen, war zu leisten. Etwas Vergangenes in Gegenwärtiges wieder aufzulösen, war die andere Arbeit daran.“ (Gerd Kroske). Ein Film über eine Verletzung, die hässliche Narben hinterlässt.

 

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Preise:
Publikumspreis Duisburger Filmwoche 2014

"So viele Menschen auf einer Wiese, was kann das bedeuten?" Mit diesem Kommentar einer österreichischen Wochenschau aus den 70ern beginnt der Film über den traditionsreichen bosnischen Stierkampf - die Korida. Heute, rund 20 Jahre nach dem Krieg, erscheint es umso erstaunlicher, wenn eine aus Bosniern, Serben und Kroaten bestehende Menschenmenge auf einer Wiese zusammenkommt, um gemeinsam dem über 200 Jahre alten, unblutigen Spektakel zu frönen. Doch Koridas leisten vielleicht mehr zur Völkerverständigung als entsprechende Bemühungen internationaler Organisationen. In beeindrucken Bildern begleitet der Film mehrere Protagonisten, die sich voller Leidenschaft in die Vorbereitungen auf die Veranstaltungen stürzen. Als aber der traditionsreichste aller Stierkämpfe mit dem Hinweis auf mögliche Minenfelder verboten werden soll, kochen die Emotionen hoch. Politik und Kirche versuchen Keile in das Zusammengehörigkeitsgefühl zu treiben. Das "Friedensprojekt Korida" wird von der politischen Realität des zerrissenen Landes eingeholt. Doch die Anhänger geben nicht so einfach auf.

 

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Preise:
Local Artist Award, Crossing Europe Filmfestival 2016; Dokumentarfilmpreis, Festival “Der neue Heimatfilm” 2016

Der Sohn will den wirtschaftlich maroden Hof der Familie übernehmen und grundlegend sanieren, um ihn am Leben zu erhalten. Der Vater verschließt die Augen vor notwendigen Veränderungen und bringt es lange nicht übers Herz, sein Lebenswerk in die Hände der nächsten Generation zu übergeben. Dabei hatte er seinerzeit den gleichen Kampf mit seinem eigenen Vater ausgefochten. Wie bisher kann es jedenfalls nicht weitergehen. Beide, Vater und Sohn, müssen neben der harten Arbeit auf dem Hof Geld mit Nebenjobs verdienen, um über die Runden zu kommen. Beide agieren am Rande der Erschöpfung. Der Vater riskiert seine Gesundheit, der Sohn die Beziehung zu seiner Freundin. An Familienplanung ist angesichts der unklaren Zukunft nicht zu denken. Den Hof verkaufen? Das hieße, einen Jahrhunderte alten Familienbetrieb aufgeben. Knapp zwei Jahre begleitet Tobias Müller das Ringen um den Erhalt und die Neuausrichtung des Hofes. Ein feinfühliger Film über zwei liebenswerte Sturköpfe und einen schier unlösbaren Generationenkonflikt.

 

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Hier: Menschen, die getötet haben; dort: Opferfamilien, die unendlichem Schmerz ausgesetzt sind. Eine angemessene Form der Bestrafung zu finden, ist Aufgabe der Justiz. Den Angehörigen bleiben die Verzweiflung sowie der Wunsch nach Vergeltung. Dass beide Seiten keinen wirklichen Frieden finden können, ist Teil dieser Logik. Doch was würde sich ändern, wenn Täter und Opfer sich gegenüberstünden? Würde die Ungeheuerlichkeit der Tat in ein anderes Licht  gerückt – oder gar so etwas wie Vergebung möglich? "Beyond Punishment" begibt sich auf die Suche nach solch fundamentalen Fragen, indem er die Geschichte von Leola, Lisa und Sean (USA), von Erik und Stiva (Norwegen) und von Patrick und Manfred (Deutschland) erzählt. In allen drei Geschichten hat ein Mord die Beteiligten gezwungen, für sich eine Haltung zu Schuld und Sühne zu finden. Die Rolle des Regisseurs geht dabei über eine reine Beobachterposition hinaus. Vielmehr initiiert er die Konfrontation der beiden Seiten und macht dabei gleichzeitig deutlich, wie schwierig und vom Scheitern bedroht ein solcher Dialog ist.

 

Webseite/Trailer zum Film: www.beyondpunishment.de


Dieter, der Vater der Regisseurin, lebt allein. Doch dann findet er eine neue Liebe: in Thailand. Seine Tochter ist geschockt. Der Vater ein Sextourist? Schonungslos, aber liebevoll stellt sie ihren Vater – und dieser antwortet schonungslos, aber liebevoll. Carolin Genreiths Film ist eine heiter-ernste Hinterfragung des eigenen Familienkosmos‘ und gängiger Klischees, die deutschen Männern über 60 anhaften, die nach Thailand reisen. Spätestens als Vater und Tochter gemeinsam die Reise zur künftigen Lebensgefährtin antreten, wird klar, dass die Rechnung keine einfache ist. Das Glück ist nicht erzwungen, die junge Thailänderin eine selbstbestimmte Frau, doch eine Beziehung... kompliziert. „Happy“ gelingt etwas Ungewöhnliches. Der Film zeichnet den Weg von anfänglicher Skepsis gegenüber dem Vater hin zu einem tieferen Verständnis seiner allzu menschlichen Beweggründe als holprigen, keineswegs geradlinig verlaufenden Weg. Eine ebenso leichtfüßige wie umsichtige Gratwanderung zwischen Vaterliebe und eigener Moral.

 

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Preise:
Publikumspreis Duisburger Filmwoche 2016

Eine Baustelle, zwei Welten. In Dortmund wird eine riesige Kokerei demontiert und nach Fernost verschifft. Die chinesischen Arbeiter werden misstrauisch beäugt von den verbliebenen deutschen Kollegen, die buchstäblich den Abbau ihres eigenen Arbeitsplatzes beaufsichtigen. Deutsche Arbeitsschutzrichtlinien und Schweißverordnungen treffen auf die Spielregeln von Turbowachstum und staatlich verordneter Effizienz. Eineinhalb Jahre lang begleiten die Filmemacher die Protagonisten dieses Prozesses und erkunden mit feinem und ironischem Gespür die menschlichen Dimensionen des Großprojekts. Während eine Verständigung zwischen deutschen und chinesischen Arbeitern kaum stattfindet, vermittelt der Film Verständnis und Sympathien für die Eigenheiten, Sorgen und Hoffnungen auf beiden Seiten. Dabei bleibt offen, ob es auf dieser Baustelle überhaupt Gewinner gibt. Die chinesischen Arbeiter werden verheizt für die Zukunft einer aufstrebenden Wirtschaftsmacht, und die Spezialisten des einst stolzen Industriestandorts müssen erkennen, dass ihr anfängliches „Die werden schon sehen, das funktioniert nicht“ der Einsicht weichen muss, dass einiges geht – auch ohne sie.

 

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Preise:
(Auswahl) Adolf-Grimme-Preis 2009; Watch Docs Award, Warschau 2007; Best International Feature Documentary, HOTDOCS Toronto 2007; Golden Remi Award, WORLDFEST Houston 2007; Film Critics' Award, CIDF Chicago 2007; Special Jury Award, IT'S ALL TRUE São Paulo 2007; Best Film Award, ONE WORLD FESTIVAL Prag 2007

Eine getrennte Familie, sieben Jahre später. Die Anordnung ist so einfach wie bestechend: Die junge Filmemacherin Natalie Pfister hat die vier Mitglieder der Scheidungsfamilie die Geschehnisse von damals in Einzelgesprächen rekapitulieren lassen. Nun sitzen alle gemeinsam an einem langen Tisch und verfolgen die von Schauspielern nachgestellten Interviews auf einem Bildschirm im Off. Es entsteht die Chronik eines Familiendramas. Erinnerungen an die damalige Zeit prallen auf Ergänzungen, Einwürfe und momentweises Schweigen von heute. Die doppelte Brechung setzt eine zaghafte Annäherung in Gang, die es sonst wohl so nicht gegeben hätte. Das Sprechen über die damalige Zeit – der Vater trennte sich, weil er sich in eine jüngere Frau verliebt hatte – fällt nach wie vor nicht leicht. Doch mittels der dazwischengeschalteten Schauspieler baut Pfister einen emotionalen Puffer für die Familienmitglieder. Dieser ermöglicht es ihnen, nicht nur mit erhitztem Herzen übereinander, sondern endlich auch mit klarem Kopf miteinander zu reden.

 

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Die Mutter und der Vater von Carlotta Kittel waren für kurze Zeit ein Paar. Doch nachdem Angela schwanger wurde, ging ihre Beziehung zu Christian in die Brüche. Welche Gründe oder Missverständnisse dazu geführt haben, bleibt zwischen beiden Elternteilen umstritten. Als einzig verbliebenes Bindeglied versucht Carlotta ihre Eltern in einen Dialog zu setzen – ohne dass sie sich begegnen müssen. Sie befragt ihre Mutter und ihren Vater unabhängig voneinander und konfrontiert beide, via Laptop, mit den Aussagen und Reaktionen des jeweils anderen Elternteils. Aus diesem über Bande gespielten Pingpong an gemeinsamen Erinnerungen fügt sich ein Bild teils verschobener, teils entgegengesetzter Wahrnehmungen und Bewertungen. Selbst dort, wo Einigkeit zwischen den beiden herrscht, werden die Brüche erkennbar, die eine gemeinsame Zukunft verhindert haben. Gleichzeitig hat dieses hochemotionale Experiment auch etwas Versöhnliches, denn eines wird deutlich spürbar: das Vertrauen sowie die Zuneigung beider Eltern zum gemeinsamen Kind.

 

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Eine Dorfgemeinschaft in Kolumbien muss die Heimat ihrer Ahnen verlassen. Denn der größte Kohletagebau der Welt fräst sich immer weiter in die Landschaft, um den deutschen Energiehunger zu stillen. Ein bewegender Film über die langen Schatten der Globalisierung. Während sich Deutschland die „Energiewende“ auf die Fahnen schreibt, wird in Kolumbien die Braunkohle für deutsche Kohlekraftwerke in riesigen Tagebauminen gefördert. Ganze Dörfer und die Lebensgrundlage ihrer Bewohner werden weggebaggert. Mit dem Versprechen auf ein besseres Leben soll auch die indigene Dorfgemeinschaft Tamaquito umgesiedelt werden. Jairo Fuentes, der charismatische Gemeindevorsteher, lässt sich auf Verhandlungen ein, um eine gewaltsame Vertreibung zu verhindern. Doch die Vorbehalte innerhalb der Gemeinschaft sind groß. Die Unterhändler der Minengesellschaft sind zwar um einen vertrauensvollen Eindruck bemüht, doch zu oft schon wurden Verträge nicht eingehalten. Vor allem die Frage der Wasserversorgung treibt die Wayúu um – und wie sich herausstellt, ist ihre Sorge mehr als berechtigt. Indem sich der Film auf seine Protagonisten und ihre eigene Art der Entscheidungsfindung, des Existenzkampfes und des Protests einlässt, entfaltet er eine ganz besondere politische Kraft. In letzter Konsequenz sind wir es, die sich bei aller Empathie für diese starke Gemeinschaft fragen müssen, auf welcher Seite wir stehen, wenn am Ende das Licht im Kinosaal angeht.

 

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Preise:
(Auswahl) Bester Dokumentarfilm, Bayerischer Filmpreis 2015; Gate of Freedom Award, Gdańsk DocFilm Festival 2016; Shortlist Europäischer Filmpreis 2015; Bester Film, Naturfilmfestival Neustrelitz 2015; Bester Dokumentarfilm, Boston Latino International Film Festival 2016; Grand Prix du FREDD Festival Toulouse 2016; Bester Film Kategorie „Umwelt und bedrohte Völker“, Festival de Cine de Barranquilla 2016.

Köln 1970. Ein Geschäftsmann dokumentiert seine Affäre mit der jüngeren Sekretärin. In minutiösen Details hält Hans die Treffen mit Monika fest und versammelt Bilder, Notizen und Fotografien der Geliebten in einem Aktenkoffer. Dieser dient als Ausgangspunkt für eine Untersuchung der Lebenswelten der Protagonisten und liefert zugleich einen Einblick in die patriarchalische Gesellschaft Westdeutschlands in den frühen 1970er Jahren. Statistische Ausführungen offenbaren ebenso wie Hans‘ vulgär-spießige Sprachwahl bestehende Geschlechterrollen und erlauben eine Annäherung an die Figur Monika, das unbekannte Objekt der Begierde. Zeitgleich deuten die wunderbar fotografierten 16mm-Bilder des heutigen Kölns an, wie gespenstisch nah die damalige Welt immer noch ist. Sachlich vorgetragene Textfragmente (eingesprochen von Gustav Peter Wöhler und Cora Frost), die optische und inhaltliche Sezierung des besagten Koffers und kurze Momente der Inszenierung erlauben das Gesehene als das zu sehen, was der Titel verspricht: ein Szenario.

 

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Im Rahmen der diesjährigen Preisverleihung vergibt die Jury den mit 2000 Euro dotierten Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling sowie einen hochwertigen AVID-Schnittpreis für die beste Montage. Der Bürgerpreis in Höhe von 750 Euro wird in guter Tradition von unserer "Schülerjury" vergeben.

Die Preisverleihung wird künstlerisch begleitet von der Slam Poetin und Liedermacherin Eva Niedermeier.

Im Rahmen der Preisverleihung zeigen wir den am Gymnasium Bad Aibling entstandenen Kurzfilm "Heimat - Vatan". Die Filmgruppe des P-Seminars wurde im Rahmen unseres Junge Doks Programms von der Nonfiktionale begleitet - an dieser Stelle ein herzlicher Dank an die Betreuungslehrerin Brigitte Klein-Weigel.

 

Heimat – Vatan

Dahoam… oder auf Afghanisch: vatan. Ein Ort, eine Tradition, eine Lebensweise? Oder doch ein Gefühl? Zusammen mit dem Urbayern Markus Weber und den zwei afghanischen Flüchtlingen Aref Mohebi und Jassin Akhlaqi begibt sich das P-Seminar „Dokumentarfilm“ des Gymnasium Bad Aibling auf eine Entdeckungsreise rund um den Begriff „Zuhause“. Auf der Bruckmühler Wies’n finden die drei das erste Mal zusammen und verabreden sich zum gemeinsamen traditionellen  Kochen in der bayerischen Wirtschaft „Gasthaus Bartl“ in Högling, jeder von ihnen mit einer anderen Geschichte.

Regie: Daniel Gambos, Brunhilde Waldmann, Julius Haltrich

Kamera: Lara Krewer, Maximilian Niggl, Simon Gawron, Selina Mutzbauer

Ton und Licht: Larissa Emmerich, Franziska Simon, Martina Huber

Schnitt: Benjamin Haubmann

Weitere Beteiligte: Markus Weber, Aref Mohebi, Jassin Akhlaqi


Der Sohn will den wirtschaftlich maroden Hof der Familie übernehmen und grundlegend sanieren, um ihn am Leben zu erhalten. Der Vater verschließt die Augen vor notwendigen Veränderungen und bringt es lange nicht übers Herz, sein Lebenswerk in die Hände der nächsten Generation zu übergeben. Dabei hatte er seinerzeit den gleichen Kampf mit seinem eigenen Vater ausgefochten. Wie bisher kann es jedenfalls nicht weitergehen. Beide, Vater und Sohn, müssen neben der harten Arbeit auf dem Hof Geld mit Nebenjobs verdienen, um über die Runden zu kommen. Beide agieren am Rande der Erschöpfung. Der Vater riskiert seine Gesundheit, der Sohn die Beziehung zu seiner Freundin. An Familienplanung ist angesichts der unklaren Zukunft nicht zu denken. Den Hof verkaufen? Das hieße, einen Jahrhunderte alten Familienbetrieb aufgeben. Knapp zwei Jahre begleitet Tobias Müller das Ringen um den Erhalt und die Neuausrichtung des Hofes. Ein feinfühliger Film über zwei liebenswerte Sturköpfe und einen schier unlösbaren Generationenkonflikt.

 

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