Do, 8. März, 19.00 Uhr


CH 2013, 92 Minuten, OmU

Regie, Buch, Montage: Anna Thommen

Kamera: Gabriela Beschart 

Ton: David Rehorek

Montage: Andreas Arnheiter

Produktion: Fama Film, ZHdK Zürich

Redaktion: SRF


Christian Zingg ist Lehrer in Basel. In seiner Klasse sitzen junge Flüchtlinge, die er auf das Berufsleben in einem fremden Land vorbereiten soll. Ehsanullah aus Afghanistan etwa oder die albanischen Geschwister Naslije und Ismail, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Hier, im Klassenzimmer finden sie ein Refugium, dürfen von einer besseren Zukunft träumen. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht. Nach zwei Jahren sollen sie integriert und erwachsen sein und außerdem in der Schweizer Arbeitswelt funktionieren. Mit großer Empathie begleitet Anna Thommen die Klasse vom ersten bis zum letzten Moment. Dank der sensiblen Beobachtung und konzentrierten Montage kommt man den Portraitierten ungewöhnlich nahe. Man fiebert mit ihnen mit, wenn sie zum wiederholten Male vergeblich versuchen, eine Lehrstelle zu bekommen. Und man wünscht ihnen, dass der Glaube des Lehrers an seine Schützlinge auf sie selbst abfärbt. Stets präsent ist der heimliche Held des Films, Christian Zingg, der alles tut für seine Schüler. Der nicht anders kann, als die Jugendlichen in sein Herz zu schließen. Ein Gefühl, das sich spürbar erst auf die Filmemacherin, dann auf die Zuschauer überträgt.

 

Trailer


Preise:
First Steps Award 2013, Bester deutschsprachiger Dokumentarfilm Zürich Film Festival 2013, Lobende Erwähnung Max Ophüls Preis 2014, Publikumspreis Solothurner Filmtage 2014, Preis der SOS-Kinderdörfer DOK.fest München 2014, Basler Filmpreis 2014

Jörg Meuthen fährt durchs Land. Er telefoniert, er spricht in Wirtsstuben und Fernsehtalkshows. Meuthen hat eine Mission: Die AfD soll in den baden-württembergischen Landtag einziehen. Marc Eberhardt hat den AfD-Bundessprecher begleitet, von Februar bis Juni 2016, alleine mit Kamera und Mikrofon. Er kommt ihm näher, als man es von Porträts etablierter Politiker kennt. Meuthen genießt sichtlich die Präsenz der Kamera. Eloquent und einnehmend nutzt er die Bühne. Aber unterschätzt er den jungen Filmstudenten mit Minimalausrüstung nicht? Eberhardt lässt zunächst geschehen, greift kaum ein, beobachtet. Und dennoch gelingt es ihm durch eine kluge Montage, die Mechanismen der Selbstinszenierung und das taktische Spiel Meuthens in kleinen Momenten des Films offen zu legen. Radikale Thesen von Parteigenossen werden abgefedert, wenn es opportun erscheint, und die rechte Flanke geöffnet, wenn es dem Machtausbau dient. Auf leise Töne setzend entlarvt der Film so nach und nach eine der führenden Figuren einer Partei, die für schrille Tonlagen steht.


Webseite


Seit Generationen pflegen die Katalanen eine spektakuläre Tradition: Sie bauen Menschentürme so hoch wie Häuser. Konkurrierende Gruppen treten im erbitterten Wettstreit gegeneinander an und versuchen, einander durch besonders hohe und waghalsige Konstruktionen zu übertrumpfen. Der Film begleitet die „Colla Joves“ aus der Kleinstadt Valls durch eine schwierige Saison. Alle Erwartungen lasten auf Zoraida, einem fünfjährigen Mädchen, das diesmal auf die Spitze des Turms klettern soll. Doch der geballte Ehrgeiz der Erwachsenen scheint machtlos zu sein gegen die Furcht des Kindes. Die Spannung, die sich innerhalb der Gemeinschaft von Wettbewerb zu Wettbewerb aufbaut, wird durch die teilnehmende Kamera so plastisch auf die Leinwand übertragen, dass die körperliche und soziale Kraftanstrengung der Colla förmlich greifbar wird. Nur wenn die Gemeinschaft fest zusammensteht, kann der Turm vollendet werden, bevor das labile Gefüge in sich zusammenfällt.

 

Webseite


Preise:
Dokumentarfilmpreis des Bayerischen Rundfunks und der Telepool, DOK.fest München 2006

Leere Ruinen, verwaiste Städte, rissiger Asphalt. Unsere Lebensräume ohne uns. Preisgegeben dem Verfall, oder besser gesagt: der Natur, die sich langsam Räume zurückerobert. „Homo Sapiens“ ist ein Film über die Welt in ihrem Post-Mensch-Dasein. Nikolaus Geyrhalter, der Spurensucher, bannt mit seiner Kamera skurrile Orte in mächtige Bilder, belebt nur durch den Klang der Leere, der Stille, der Natur. Langsam montiert gewinnen sie Raum in uns, werden zu einer Meditation über die Endlichkeit menschlichen Seins, über die Fragilität unserer Existenz, das Ende des industriellen Zeitalters und über das, was es ausmacht, Mensch zu sein. Die Stimme der Menschheit ist hier verstummt, aber ihre Spuren und Abbilder sprechen umso lauter. Ein postapokalyptisches Szenario aus unserer Gegenwart, voller poetischer Kraft. Dokumentarisches Science-Fiction-Kino.

 

Webseite


Preise:
Wild Dreamer Award for Best Documentary, Subversive Film Festival Zagreb (2016); Bestes Sounddesign Dokumentarfilm, Diagonale Graz 2017

Nacht, außen, Straßengeräusche. Fenster zum Hof. Jemand knipst das Licht an, das erste Instrument erklingt. Ein Rückgebäude, in dem Menschen üben, einsame Musiker in kahlen Räumen. Katharina Blanken hat den Orchestergraben in die Probenräume der Düsseldorfer Musikhochschule verlegt und filmt von außen. Licht an heißt Ton an. Das ist das Konzept des Visual-Music-Films „Kammermusik“, der den Untertitel „Audiovisuelles Gebäudeklang-Portrait“ trägt. Zunächst spielen hier alle gegen alle. Es fehlt die verbindende Komposition, der Dirigent - zunächst. Licht aus, Ton aus. Ein neues Licht geht an, ein neuer Raum. Der Dirigent ist da. Spätestens jetzt versteht man, was es mit der„visuellen Musik“ auf sich hat. Und nach und nach weicht die Nacht dem Tag... Neun Minuten dauert das Experiment, das sorgfältig komponiert und montiert ist, musikalisch wie filmisch. Kammermusik 3.0.

 

Webseite


Preise:
Best International Film, Sydney Architecture Festival Short 2015; Best Experimental Film, Teheran International Silent Film Festival 2016; Best Experimental Short Film, CINETECTON Puebla 2016

Vom Geist in der Maschine: Arne Körner entführt uns mit seinem Kurzfilm in eine alte Werkshalle, die schon bessere Zeiten gesehen hat, um eine totgeglaubte Technologie zu beschwören. In hypnotischen Schwarzweiß-Aufnahmen folgt er den mit mechanischer Perfektion ineinandergreifenden Bewegungen eines alten Vinyl-Presswerks. Zusammen mit den Geräuschen der hydraulischen Presse und den Dampfwolken des bearbeiteten Kunststoffs verschmelzen sie zu einer organischen Einheit. Nichts ist hier einfach nur mechanischer Prozess, alles – vom Vinylgranulat bis hin zum Abspielgerät – wird in Szene gesetzt. In einem fein komponierten Spiel aus Licht, Schatten und Musik wird die Produktion von Schallplatten so zu einer fast mythischen Erzählung vom Werden und Vergehen. Ein dichtes Porträt eines aus der Zeit gefallenen, aber immer noch atmenden Wesens. 


Preise:
Preise: Bester Experimentalfilm, Sardinia Film Festival 2013; Best Documentary Video, BLACK & WHITE - International Audiovisual Festival, Porto 2015

1996 reisen drei Studierende der Filmhochschule Potsdam nach Budapest und sammeln. Sie sammeln Bilder, festgehalten auf 16mm-Schwarzweiß-Material. Sie sammeln Momente, Menschen, Musik. Impressionistische Porträts dreier Avantgarde-Musiker verbinden sich collagehaft mit Alltagbeobachtungen der Großstadt. Susanne Schüle, Istvan Imreh und Robert Laatz haben mit „Negativ Nächte“ einen Film gedreht, der sich selbst keine Grenzen setzt. Er lässt sich treiben und findet dabei seinen eigenen, unwiderstehlichen Rhythmus. Sound meets Montage. Bildgestalter trifft Avantgardemusiker. „“Negativ Nächte“ strahlt eine visuelle und akustische Musikalität aus, ein instinktives Gespür für die skurrilen Querverbindungen zwischen Kunst und Alltag, den Rhythmus und die Klänge der Großstadt“, heißt es in der Jurybegründung vom Filmfestival Münster. Ein Blick in eine vergangene Zeit, keinen Tag gealtert.


Preise:
Nachwuchspreis Visions du Réel, Nyon 1997, Hauptpreis Filmfestival Münster 1997

Den Fuß vor die Tür gesetzt und die Augen weit geöffnet. Von Wien aus lässt Bernadette Weigel sich gen Osten treiben: auf einem Donau-Frachtschiff flussabwärts bis nach Bulgarien, von dort aus mit Zug, Bus, Fähre und Sammeltaxis weiter. Die Route führt über Rumänien, die Ukraine, Georgien, Aserbaidschan bis nach Kasachstan. Stets den Weg als Ziel vor Augen, fängt sie mit ihrer Super-8-Kamera flüchtige, flirrende Momente ein. Situationen, Begegnungen und Blicke werden mit separat aufgenommenen Tönen zu einem wunderbar sinnlich-poetischen Reisebericht verwoben. Die Sprache der Bilder ist die Lingua franca, die dem Zuschauer über die Grenzen hinweg ein spontanes Gefühl der Verbundenheit mit den Menschen und ihrer Umgebung vermittelt. Eine Liebeserklärung an die Fremde und ein Ansporn, sich selbst mal wieder unbeschwert auf den Weg zu machen.

 

Webseite


Preise:
Großer Preis Dokumentarfilm, Beste Bildgestaltung, Beste künstlerische Montage und Bestes Sounddesign, Diagonale 2013

Aufstehen, Kaffee machen, Essen kochen - was banal klingen mag, ist es keineswegs immer. Denn Zsuzsanna und Sandor leben seit sechs Monaten unter einer Brücke in München. Marlena Molitor hat in ihrem ersten Kurz-Dokumentarfilm die beiden Roma in ihrem Alltag beobachtet. Und in diesem Alltag verbirgt sich das spannende und überraschende Moment dieses Films. Jenseits aller Klischees begegnen wir zwei Menschen, die in der außergewöhnlichen Situation der Obdachlosigkeit versuchen, eine häusliche Routine zu leben. Wir begegnen einer Frau, die ihrem Mann Kaffee kocht und sich um die Einnahmen des Tages kümmert. Zsuzsanna und Sandor lassen die Kamera ganz nah an sich heran, herein in die gute Stube ihres Zeltlagers. Im Gegenzug fängt sie in konzentrierten Schwarzweiß- Bildern ein, was man eigentlich nicht zeigen kann: die Würde zweier Menschen.


Die griechische Insel Lesbos im Sommer 2015. Eine provisorisch errichtete Imbissbude wird zum Anlaufpunkt für gestrandete Flüchtlinge, die sich hier mit Essen, Getränken und Strom für ihre Mobiltelefone versorgen. Mit Hilfsbereitschaft und Geschäftssinn gleichermaßen versucht die griechische Betreiberfamilie die Situation zu meistern. Sie improvisiert, kommuniziert mit allen verfügbaren Mitteln und setzt eigene Regeln wie auch Grenzen. Dem Film gelingt es, durch die Beobachtung des Alltäglichen im Ausnahmezustand eine Sensibilität für die kleinen und beiläufigen Momente zu schaffen, in denen Menschen miteinander umgehen. Im Getöse der Flüchtlingsdebatte ein wichtiger Beitrag, um wieder den Blick zu schärfen für das schlicht Menschliche.      


Preise:
Jurypreis, Kurzsuechtig 2017

Im Hospiz wird gelebt bis zum letzten Tag. Allzu häufige Besuche von Familienangehörigen nerven, Stofftiere spenden Trost, verpasste Gelegenheiten lösen Wehmut aus. Danka, die Reinigungsfrau des Hauses, erlebt das täglich, wenn sie die fünfzehn Zimmer über den Dächern Berlin-Neuköllns saubermacht. Gerne verweilt sie auf einen Plausch mit den Bewohnern oder leistet still, Gesellschaft. Es wird geraucht, es wird gelacht. In den „Fünfzehn Zimmern“ herrscht Alltag, hinter dem sich das unweigerliche Abschiednehmen verbirgt. Auch bei den Übergaben lassen sich medizinische Sachverhalte und Zwischenmenschliches nicht ohne weiteres trennen. Silke Schissler beobachtet diesen speziellen Ort und seine Bewohner präzise wie auch zurückhaltend und zugleich mit großer Empathie. Ein Film über das Leben an einem Ort des Sterbens.

Webseite


Preise:
Preise: Nominierung Deutscher Menschenrechtsfilmpreis, Nürnberg

Über Geld spricht man nicht? – Mitnichten! Von Benin bis Zürich, von Bolivien bis Pakistan zeigt Sebastian Winkels Kunden im Gespräch mit ihren Bankberatern. Kredite müssen mühsam getilgt, vielversprechende Investitionen abgewogen worden. Im Angesicht des Geldes gibt der Kunde Intimes Preis, und persönliche Lebensumstände werden verhandelt. In fünfzehn kurzen Episoden wirft der Film einen ebenso spannenden wie unterhaltsamen Blick auf die Macht des Geldes. Hier geht es nicht um internationale Finanzkrisen, Spekulationsblasen oder Steueroasen, sondern um die kleinen Winkelzüge bei der Kreditaufnahme, die verzweifelten Ausflüchte säumiger Schuldner und die betonte Seriosität der Bankangestellten. Die Kamera ist stets auf den Kunden gerichtet, der Berater höchstens im Anschnitt zu sehen. In der Reihung der verschiedenen Protagonisten treten die zuweilen amüsanten kulturellen Unterschiede deutlich zutage, aber es zeigt sich auch das Verbindende in einer Situation, in der jeder um Glaubwürdigkeit buhlt. Denn am Ende ist die eigentliche Währung auf beiden Seiten des Verhandlungstisches Vertrauen.

Webseite


Liebe in Zeiten allgemeiner Unsicherheit. Jan Gassmann begleitet vier junge Paare an den Rändern Europas - in Thessaloniki, Sevilla, Dublin und Tallin. Sie alle treiben durchs Leben, auf der Suche nach Arbeit, nach Stabilität, nach einer Zukunft. Ihre Realität wird bestimmt von Arbeitslosigkeit, Drogenproblemen oder den Herausforderungen einer Patchworkfamilie. Zuflucht vor ihrer instabilen Existenz finden sie in der Liebe und im Rausch. Der Film zeichnet ein expressives Portrait der vier Paarbeziehungen zwischen Konflikten und sexueller Leidenschaft und immer im alltäglichen Überlebenskampf. Die privaten Sorgen und Hoffnungen der jungen Generation füllen das diffuse, krisengeschüttelte Konstrukt „Europa“ mit Leben. Geschickt verbindet Gassman die einzelnen Episoden mit Nachrichtenfetzen, die die politischen Herausforderungen des Kontinents verhandeln. Und so entpuppt sich das intime Gruppenbild am Ende als virtuos gesponnenes Zeitdokument eines unerfüllten europäischen Traums.

 

Webseite


Preise:
Bester Dokumentarfilm und Beste Kamera, Zürcher Filmpreis 2016; FFF Förderpreis Dokumentarfilm, DOK.fest München 2016; Schweizer Förderpreis, Zurich Film Festival; Jury Award, DocsDF Mexiko, in der Auswahl für den Europäischen Dokumentarfilmpreis 2016

„Verfolge Deine Ziele und Du wirst gewinnen!“ – so lautet des Lebensmotto von Jürgen „The Rock“ Hartenstein, einst Deutscher Meister im Supermittelgewicht. Nach drei Jahren, in denen er nicht im Ring stand, will Hartenstein es noch einmal wissen. Kompromisslos und mit der Bereitschaft, sich selbst alles abzuverlangen, trainiert er für sein Comeback, an das außer ihm und seinem Trainer Markus Kone längst niemand mehr zu glauben wagt. Von einem Callshop aus, ohne Manager, gelingt es ihm schließlich, einen Kampf in den USA einzufädeln. Nicht irgendwo, sondern im „Legendary Blue Horizon“, der Boxhalle, in der u.a. auch Szenen für „Rocky V“ gedreht wurden. Doch Hollywood-Filme und das wahre Leben klaffen oft genug weit auseinander... Zwei Jahre lang hat Maximilian Plettau seinen Protagonisten mit der Kamera begleitet. Statt zu verklären, wird die Beharrlichkeit und Ausdauer des Boxers in atmosphärische und sinnliche Bilder übersetzt. Dank der großartigen Kamera und der klugen Montage, die das dramatische Potential der Geschichte zu nutzen weiß, begeistert „Comeback“ nicht nur Boxfans.

 

Webseite


Preise:
Beste Kamera Dokumentarfilm, Deutscher Kamerapreis 2008; OmU-Förderpreis, DOK.fest München 2008

Das titelgebende Ghetto ist ein Klassenzimmer an der sogenannten Zürcher Goldküste. Hier, in Meilen, lernen wir Ana, Xhumi, Dani und ihre Freunde kennen. Das Ende der Schulzeit ist greifbar nah, die Frage nach dem „was dann?“ lässt sich immer weniger wegschieben. Doch viel verlockender als die Suche nach einer Lehrstelle scheint der Balztanz der Geschlechter, die Technoparty, der nächste Drogenkick. Thomas Imbachs Kamera hält sich nicht zurück, sie hält voll drauf. „Ghetto“ will nicht nur soziale Realität abbilden, sondern konstruiert ein aus virtuos komponierten Momentaufnahmen bestehendes Gruppenporträt – gegliedert in Kapitel, die mit „Auto“, „Techno“, „Sex“, „Drugs“ und „Marroni“ überschrieben werden. Indem ganz bewusst ungeschliffene digitale Aufnahmen mit analogem 35mm-Material kombiniert werden, bekommt der Film einen ganz eigenen, faszinierenden Drive. „Die schnell geschnittenen Videobilder der Kamera pulsieren hektisch und laut, und wenn es beinahe unerträglich wird, hält der Film einfach an. Schnitt.“ (Berliner Zeitung)

Webseite


Preise:
Filmpreis der Stadt Zürich 1997, Bester Dokumentarfilm, Filmfestival Mannheim-Heidelberg 1997, Premio Giampaolo Paoli, Filmfestival Florenz 1997

Die dpa ist eine der größten Nachrichtenagenturen der Welt, sie veröffentlicht bis zu 3.000 Meldungen und Fotos am Tag. Doch wie entstehen Nachrichten? Welche Arbeitsschritte gehen ihnen voraus und gehen damit einher? Wie werden redaktionelle Entscheidungen getroffen? Friedrich Rackwitz blickt mit „Grundrauschen“ als erster Dokumentarfilm ins Innere der Agentur. Hier wird die Welt zur Nachricht, die Nachricht wiederum zu einer eigenen Welt – und zur Ware, die verkauft werden will und damit den eigenen Regeln eines Marktes unterworfen ist. Arbeitsplatz für Arbeitsplatz lernen wir den Newsroom kennen, der von seinen 400 Mitarbeitern „das Raumschiff“ genannt wird. Bewusst wählt Rackwitz dabei keinen journalistischen Ansatz, sondern beobachtet im Stil des Direct Cinema, verzichtet also auf Kommentar und Interviews. Ein ebenso klug wie aufmerksam beobachtender Film für die Ära der „Fake News“.

Webseite


Das Wort „nauz“, ladinisch für Futtertrog, bricht die Themenwelt der Südtiroler Lyrikerin Roberta Dapunt wunderbar herunter. Immer wieder kreisen ihre teils auf Ladinisch verfassten Gedichte um das traditionelle Leben und den Alltag von Bergbauern im Gadertal, ohne sich dabei der Romantisierung verdächtig zu machen. Es geht um den Verlust von Heimat, die Mühen der landwirtschaftlichen Existenz - oder die letzten Momente eines Schweinelebens. Den eindringlichen Sprachbildern setzt die Kamera ihre eigenen poetischen Bilder entgegen. Auch im Film geht es um den Gang eines Schweins zur Schlachtbank sowie die anschließende Zerlegung des toten Tieres. Die Kamera sieht genau hin und bleibt dabei respektvoll. Und so verschmelzen die ausnehmend ästhetischen Aufnahmen der Schlachtung, die Gedichte Dapunts, die Skulpturen von Lois Anvidalfarei und die Musik von Eduard Demetz, die eine klangliche Parallelwelt entwirft, am Ende zu einer eindrucksvollen vielstimmigen Hommage an das bäuerliche Leben.

 

Trailer


Touching Concrete

(Junge doks)

Do, 8. März, 10.30 Uhr


D/Südafrika 2017, 58 Minuten, OmU

Regie, Buch, Ton: Ilja Stahl

Kamera: Niclas Reed Middleton

Montage: Florian Riegel

Produktion: Weydemann Bros., KHM Köln


Johannesburgs Stadtteil Hillbrow steht für Gewalt, Arbeits- und Perspektivlosigkeit. In diesem Mikrokosmos aus Beton wachsen Tebogo und Karabo auf. In Tiefgaragen, auf Hochhausdächern, auf der Straße schlagen sie Zeit tot oder träumen den Traum von einer Karriere als Hip-Hopper. Doch so richtig wissen sie und ihre Freunde nicht, wohin mit dem Überschuss an Energie und Langeweile. Jeder sucht seine eigene Strategie. Bei aller Coolness-Attitüde macht Karabo sich durchaus Gedanken über die Allgegenwart der Gewalt wie auch über die fortwährenden Auseinandersetzungen mit seiner Mutter. Tebogo hingegen wirft sich mit einer „jetzt-erst-recht“-Geste dem Leben entgegen, indem er etwa an der Kante eines Hochhauses entlangtänzelt. Die Kamera wird zum Teil der jugendlichen Gruppe, wenn diese Flachdächer und Tiefgaragen als kleine urbane Inseln für sich erobern oder sich ins Getümmel der Straßen stürzen. Sie ist immer ganz dicht dran an den Protagonisten, die keinerlei Scheu haben, auch mal das Heft des Films in die Hand zu nehmen - und so für einen kurzen Moment Regisseure ihres eigenen chaotischen Lebens zu werden.


Neuland

(Junge doks)

Fr, 9. März, 10.30 Uhr


CH 2013, 93 Minuten, OmU

Regie, Buch, Montage: Anna Thommen

Kamera: Gabriela Beschart 

Ton: David Rehorek

Montage: Andreas Arnheiter

Produktion: Fama Film, ZHdK Zürich

Redaktion: SRF


Christian Zingg ist Lehrer in Basel. In seiner Klasse sitzen junge Flüchtlinge, die er auf das Berufsleben in einem fremden Land vorbereiten soll. Ehsanullah aus Afghanistan etwa oder die albanischen Geschwister Naslije und Ismail, die aus schwierigen Familienverhältnissen stammen. Hier, im Klassenzimmer finden sie ein Refugium, dürfen von einer besseren Zukunft träumen. Doch viel Zeit bleibt ihnen nicht. Nach zwei Jahren sollen sie integriert und erwachsen sein und außerdem in der Schweizer Arbeitswelt funktionieren. Mit großer Empathie begleitet Anna Thommen die Klasse vom ersten bis zum letzten Moment. Dank der sensiblen Beobachtung und konzentrierten Montage kommt man den Portraitierten ungewöhnlich nahe. Man fiebert mit ihnen mit, wenn sie zum wiederholten Male vergeblich versuchen, eine Lehrstelle zu bekommen. Und man wünscht ihnen, dass der Glaube des Lehrers an seine Schützlinge auf sie selbst abfärbt. Stets präsent ist der heimliche Held des Films, Christian Zingg, der alles tut für seine Schüler. Der nicht anders kann, als die Jugendlichen in sein Herz zu schließen. Ein Gefühl, das sich spürbar erst auf die Filmemacherin, dann auf die Zuschauer überträgt.


Preise:
First Steps Award 2013, Bester deutschsprachiger Dokumentarfilm Zürich Film Festival 2013, Lobende Erwähnung Max Ophüls Preis 2014, Publikumspreis Solothurner Filmtage 2014, Preis der SOS-Kinderdörfer DOK.fest München 2014, Basler Filmpreis 2014

Woran denken Sie, wenn Sie von Stammtischen hören? Etwa an Bier, Kartenspiele oder Schnitzelwettessen? Aber kann man alle Stammtische unter diesen Klischees zusammenfassen? Die Schüler des P-Seminars „Dokumentarfilm“ am Gymnasium Bruckmühl haben sich auf die Suche gemacht, um Ähnlichkeiten und Differenzen verschiedener Stammtische herauszufinden und mit der Kamera zu dokumentieren. Dabei ist ein kurzer Film entstanden, der wie in einem Kaleidoskop Eindrücke von verschiedenen Stammtischen verbildlicht und dabei Gemeinplätze bestätigt findet, Gemeinsamkeiten aufzeigt, aber auch Unterschiede andeutet. Begleiten Sie die Schüler bei dem filmischen Experiment „(St)am(m) Tisch“.