Die Preisträger 2019

Nach einer überaus erfolgreichen Nonfiktionale mit so vielen Besuchern wie noch nie, ging am Sonntag, dem 17.03.2019 die 12. Nonfiktionale mit einer feierlichen Preisverleihung zu Ende. Die Jury bestehenden aus Mechthild Barth, Thomas Haemmerli und Mark Stoehr vergab zwei Preise: zum einen den Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling und zum anderen den AVID-Schnittpreis. Darüber hinaus vergab die Schülerjury des Gymnasium Bad Aibling bestehend aus Sarah Schulz, Marinus Halbig und Stephan Helbing den Bürgerpreis.


Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling

Den mit 2.000,- Euro dotierten Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling erhielt Andrei Schwartz für seinen Film "Himmelverbot".

Begründung der Jury:
Regisseur Andrei Schwarz befreundet sich mit Gavriel, einem Mörder, den er immer wieder im Gefängnis in Bukarest dreht. Gavriel ist sympathisch, und man hofft mit ihm auf seine Entlassung. Er hat alles, was ein Hochstapler braucht: Geschichten, Überzeugungskraft und einen eigentümlichen Charme, dem man sich auch dann nicht entzieht, als der Mann als kleiner Lügner und Lump entlarvt ist. Andrei Schwartz hat es geschafft, den Geschichten, die Gavriel um sich selbst kreiert, nicht den Vorrang zu geben vor dem, was an Gavriel wahrhaftig ist. Die Frage “echt wahr?” wird hier in ihrer ganzen Konsequenz aufgefächert: Es ist nicht immer vorrangig der Wahrheitsgehalt, der einem dazu verhilft, die Wahrheit zu spüren.

Wiederholung des Preisträgerfilms am Donnerstag, dem 21.3.19 um 19:30 Uhr.


AVID Schnittpreis

Den AVID Schnittpreis in Form einer Software / Media Composer erhielt der Film "Wenn man sie bedauert, können sie schlecht sterben" von Friederike Güssefeld.

Begründung der Jury:
In strengen Tableaus lässt der Film die Bewohner eines brandenburgischen Dorfes erzählen. Von den Katastrophen, den eigenen und den historischen, und vom Niedergang, der Entvölkerung und dem Verschwinden von Gemeinschaft. Meisterhaft zerlegt der Schnitt die Interviews, und komponiert daraus Geschichten und einen Wurf aus einem Guss. Was auf den ersten Blick skurril wirkt, gerät im Nachhall zur allgemeingültigen Erzählung menschlicher Fährnisse.


Lobende Erwähnung

Eine lobende Erwähnung sprach die Jury dem Film "Souvenir" von André Siegers aus.

Begründung der Jury:
Ein Mann überlässt dem Regisseur 400 Videokassetten. Selbstgedrehte Aufnahmen von seinen Reisen um die Welt, die er im Auftrag deutscher Stiftungen unternommen hat. Es zeigt einen Menschen zwischen Eitelkeit und Einsamkeit, getrieben von Ironie, starkem politischem Sendungsbewusstsein und der Sehnsucht, einen persönlichen Abdruck zu hinterlassen. Regisseur André Siegers und seine Editor*innen David Siegers und Ute Adamczewski selektieren und sortieren das überbordende Material und setzen es durch eine fiktive Rahmengeschichte unter Strom. Sie behaupten am Anfang, der Protagonist sei auf einer Kreuzfahrt im Eis verschollen. Dieser Trick zieht die Zuschauer in die Geschichte, und wird am Ende entlarvt durch einen Eisbären am Südpol.
In der „Unwahrheit“ der Gesamtkonstruktion kommt die “Wahrheit” der Figur zum Vorschein – ihr flackerndes Changieren zwischen Suchen und Finden, Inszenierung und authentischem Ausdruck.


Bürgerpreis

Den von Aiblinger Bürgern gestiftete Bürgerpreis in Höhe von 750,- Euro ging an "ja ja, nein nein" von Peter Volkart und Ulrich Schaffner.

Begründung der Jury:
„ja ja, nein nein“ von Peter Volkart und Ulrich Schaffner schlägt eine spannende Brücke zwischen dem kulturpolitischen Engagement eines Erbsenfabrikanten und dem Leben eines freischaffenden Aktionskünstlers im Schweizer Kanton Aargau. Der Film beginnt mit einer seriös erscheinenden Erzählung, um nahtlos überzugehen in fiktive Welten.
Fasziniert hat uns die Verknüpfung der beiden Ebenen. Geschickt nutzen die beiden Regisseure Archivmaterial und schenken der Absurdität eine Bühne. Ebenso hat uns der Rhythmus der Erzählung überzeugt, der den Zuschauer tief in die Geschichte eintauchen lässt. Außerdem finden sich in dem Film sowohl das Fragezeichen als auch das Ausrufezeichen des diesjährigen Nonfiktionale-Mottos wieder. Echt wahr!



Unter dem Motto echt wahr?! rückte die Nonfiktionale 2019 das Verhältnis von Dokumentarfilm und Wahrheit in den Fokus. Worin besteht der Wahrheitsgehalt in dokumentarischen Filmen, was kennzeichnet ihn, und wie wird er hergestellt?

Die Vorstellung, dass Dokumentarfilm eine objektive Wirklichkeit abbildet, ist eine Illusion. Dennoch geht es bei dem Genre immer um die Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit und, in der Regel, um den Versuch einer wahrhaftigen Erzählung. In der Umsetzung führt der Weg in unterschiedliche Richtungen. Wie viel erzählerische bzw. gestalterische Freiheit ist erlaubt, wie viel ist notwendig, um sich der Wahrheit zu nähern? Wie geht man filmisch damit um, wenn man mit gegenläufigen Wahrheiten oder Lügen konfrontiert wird? Wie wird die Authentizität bzw. Glaubwürdigkeit dokumentarischer Erzählungen begründet? Und wie kann sie unterlaufen werden?

In diesem Jahr stellten wir Filme zur Diskussion, die den Bogen spannen vom investigativen Zugang über die Einordnung konträrer Positionen bis hin zu mit der Fiktion flirtenden dokumentarischen Grenzgängen.