Fr, 3. Oktober, 11.00 Uhr


D 2004, 62 Minuten,

Regie, Buch, Kamera: Tom Kimmig
Ton: Hanse Warns
Schnitt: Thomas Wellmann
Produzenten: Florian Deyle, Martin Richter, Hendrik Feil
Produktion: Bayerischer Rundfunk, Deutsche Film- und Fernsehakademie, Drife Productions


Bayern 1-Radio ist ein telefonischer Info-Service, eine Anlaufstelle für Hörer mit Fragen jeglicher Art. Manche dieser Fragen klingen absurd, naiv oder weltfremd, hier aber werden sie ernst genommen und beantwortet. Der Film beobachtet die Telefonisten in ihrem täglichen Umgang mit Höreranfragen und -meinungen. Da werden Musiktitel erfragt oder Hasstiraden über den "amerikanischen Scheißdreck" zum Besten gegeben. Doch der Hörerservice wird auch unfreiwillig zum Sorgentelefon, für viele Anrufer ist er der einzige Gesprächspartner. Zwangsläufig werden die Telefonisten immer ein Stück weit in das Leben der sonst anonymen Anrufer hineingezogen. Eine Stimme mit einem besonderen Draht zum Bayern 1-Radio-Team bekommt letzten Endes sogar noch ein Gesicht.


Wenn die Tage kurz werden und die Herzen weit, fühlen sich viele  österreichische Weihnachtsromantiker in ihrem Element. Mit kilometerlangen Lichterketten, eigens importierten Leuchtfiguren und selbst gebastelten Installationen erhellen sie die dunkle Jahreszeit. Da fliegen alljährlich Rentiere meterweit über Jägerzäune und lokalen Energiezulieferern geht der Saft aus. Werner Boote wirft einen Blick hinter die strahlenden Fassaden. Mit viel Augenzwinkern lässt er die Menschen mit ihren Geschichten, Leidenschaften und Sehnsüchten aus dem Schatten ihrer Werke treten.


Dreams

(Junge doks)

Mi, 1. Oktober, 14.00 Uhr


D 2007, 5 Minuten,

Regie, Schnitt: Jonas Gernstl
Kamera, Ton: Robert Mayer
Produktion: Jonas Gernstl


"Kino ist für mich alles!", sagt Alexander aus Bad Endorf. Der Volksschüler arbeitet in "Marias Kino" als Vorführer. Er liebt die beiden alten Filmprojektoren, von denen er hofft, dass sie noch ewig laufen werden, denn Zelluloid ist seine große Leidenschaft. Ihm graut vor dem Tag, an dem er kein Filmmaterial mehr in die Hand nehmen kann und das digitale Kino auch in seinen Vorführraum Einzug hält. Bis dahin schafft er sich aus 35mm Filmstreifen die er bemalt und mit Musik unterlegt seinen eigenen Traum vom Film.


Feldtagebuch

(Junge doks)

Do, 2. Oktober, 11.00 Uhr


D 2002, 90 Minuten,

Regie, Buch: Aelrun Goette
Kamera: Ralf Klingelhöfer
Ton: Alexander Theodossiadis
Schnitt: Annette Muff
Produktion: Ernst Ludwig Ganzert, Eikon
Redaktion: Stefanie Groß (SWR)


Frauen in den Kampftruppen. Seit 2001 sind in Deutschland alle Laufbahnen des Heeres uneingeschränkt für Frauen geöffnet. Seither stellen weibliche Soldaten einen Anteil von etwa 8 % in der Bundeswehr. Der Film begleitet vier junge Rekrutinnen durch die harte Grundausbildung beim Bund. Anette, Esther, Sandra und Petra ahnen zu Beginn wohl nicht, was auf sie zukommt. Denn in erster Linie träumen die angehenden Soldatinnen von einer guten Ausbildung, einem sicheren Job bei der Bundeswehr und von ein wenig Anerkennung. Neben Nachtmärschen bei Frost, dem allgegenwärtigen Dreck und körperlicher Anstrengung bis zum Umfallen müssen die Frauen vor allem gegen das von Männern dominierte, autoritäre System bestehen. Immer bei Fuß: die Filmkamera – das Team schlief in der Kaserne, aß mit den Soldaten und marschierte mit bei jedem Wetter. Der so entstandene Film dokumentiert lakonisch den manchmal absurd wirkenden Alltag der Rekruten und Rekrutinnen ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu deuten.


Finow ist ein unabhängiger Waldstaat, dessen Bewohner sich hauptsächlich von Bananen ernähren. Um die Devisen für ihre Nahrung zu beschaffen, filtern die Finowianer Baugerüste aus dem schlammigen Boden ihrer Heimat: allein in Berlin rüstet der staatseigene Betrieb mehr als 300 Gebäude ein. Von Zeit zu Zeit ernennt sich ein Emporkömmling zum Präsidenten – ein politisches Amt auf Abruf. Susanne Quester entlarvt mit ihrer Parodie die Macht des Kommentars über das Bild und liefert nebenbei ein amüsantes Portrait einer klassenlosen Gesellschaft ohne Polizei.


Gewiss, Namen sind Schall und Rauch. Doch manch einer würde wohl gerne gegen seinen Nachnamen Einspruch einlegen, wenn er nur könnte. Kaum ist man auf der Welt, steckt man auch schon drin in irgendeiner Namensschublade und soll sich dann damit irgendwie abfinden – selbst wenn es ein Allerweltsname wie Lehmann ist. Gegen das Hadern mit dem eigenen Los hilft manchmal nur ein hämischer Blick auf die anderen, etwa auf "Herrn Schlotterhose" oder "Frau Wucherpfennig". Dann doch lieber Lehmann, oder? So (oder so ähnlich) trösten sich die Schicksalsgenossen und -genossinnen der Regisseurin, die ihrem Nachnamen ein unterhaltsames 12-minütiges Denkmal setzt.


Jakob Mierscheid ist seit 1979 Mitglied des deutschen Bundestages. Unter Kollegen ist er für seinen Ideenreichtum und seinen besonderen Humor bekannt - doch auf Bildern in der Presse oder im Fernsehen hat man ihn in all den Jahren nie gesehen. Grund genug, seine Existenz in Frage zu stellen? Marian Mentrup begibt sich auf die Suche nach diesem gläsernsten aller Abgeordneten. In den Archiven und Büros der Bonner und Berliner Republik sucht der Regisseur nach Spuren eines politischen Lebens und zeichnet so ein Porträt aus Indizien und Zeugenaussagen. Ein absurd intelligentes Spiel mit dem Schein und Sein deutscher Politiker in der Mediendemokratie.


Religiöser Eifer trifft auf sportliche Begeisterung. Neben den hunderttausenden Fußballfans, die es 2006 nach Deutschland zur WM zieht, reisen auch massenhaft christliche Missionare an. Sie wollen keiner Mannschaft zujubeln, sondern das Megaevent für ihren göttlichen Auftrag nutzen, Seelen zu retten. Der Film begleitet mehrere so genannte wiedergeborene Christen aus den USA, Afrika und Europa während des Sportereignisses auf ihrer Mission in ganz Deutschland. Ihre Bekehrungsversuche münden zuweilen in absurden Situationen und Dialogen. Angesichts des gezielten und offensiven Vorgehens dieser religiösen Eiferer kann einem das Lachen aber auch vergehen. Jesus liebt Dich regt zum Nachdenken über die Hintergründe und Konsequenzen missionarischer Berufung an, ohne das Handeln der Protagonisten zu kommentieren.


Aufgewachsen in der kleinbürgerlichen bundesrepublikanischen Provinz, in den 60ern, einer Zeit, als die Menschen noch Träume hatten. Richard David Prechts Kindheit in einem linken Milieu war zweifellos "ganz anders anders als die anderen Kindheiten". Der Zahnputzbecher diente dem Reinigen des Aquariums, im Regal stand "Theorie und Praxis der antiautoritären Erziehung", die Spieler von Dynamo Kiew waren die Helden der Stunde, und Coca-Cola war ebenso tabu wie das "kapitalistische" Fernsehen oder der Taschenrechner von Texas Instruments. In diesem alles andere als ideologiefreien kindlichen Kosmos des Protagonisten gerieten die bärtigen Gesichter von Friedrich Engels und Tiervater Brehm schon mal durcheinander – wie auch so manch anderes in dieser links-revolutionären Musterfamilie. Basierend auf der gleichnamigen Autobiographie Prechts ist André Schäfers Film keineswegs eine Abrechnung mit dem Mythos '68, sondern ein Blick zurück ohne Zorn, dafür aber mit Liebe und einer gesunden Portion (selbst-)ironischer Distanz.


Thomas Haemmerli liefert uns eine kurze, selbstironische Anleitung zum Dokumentarfilm. Walter Benjamin, Adressat und Nebendarsteller dieses kleinen Films, merkte einst in einem seiner Schriften an, "dass es fürs Denken keinen besseren Start gibt als das Lachen". Ein Grund mehr, mit diesem Kurzfilm unser Programm zu eröffnen ...


Oachkatzlschwoaf / Bad Aibling in 5 Minuten

(Junge doks)

Mi, 1. Oktober, 14.00 Uhr


D 2008, 10 Minuten,

In wechselnden Funktionen:
LK Deutsch, K12 Gymnasium Bad Aibling - Christina Anderl, Laura Daba, Daniela Deißner, Dominik Dreyer, Jacqueline Floßmann, Heidemarie Gruber, Markus Gruber, Julia Haustein, Verena Regensburger, Lena Reichmayr, Elisa Schreiner-Bernlochner, Joseph Stout, Laura Theiler, Andrea Weinzierl
Betreuer: Knut Karger, Boris Tomschiczek, Brigitte Klein-Weigel


Im Rahmen eines Schülerfilmworkshops der Nonfiktionale entstanden am Gymnasium Bad Aibling diese beiden dokumentarischen Kurzfilme. Neben dem Filmemachen stand dabei die Suche nach Geschichten in der unmittelbaren Umgebung der Schüler im Mittelpunkt.

Oachkatzlschwoaf: Über 20 Interviewpartner waren aufgefordert laut über Bayern nachzudenken. Dieser Kurzfilm spielt mit bayerischen Klischees, dreht und wendet sie, ordnet sie neu. So entsteht eine amüsante Sammlung bayerischer Schlagwörter – ein bayerischer Flickerlteppich.

Bad Aibling in 5 Minuten: Ein Parcourritt durch die Geschichte des Moorbads. Max Regensburger, ein heimatkundlicher Sammler, erhielt von den Schülern die Aufgabe die wichtigsten geschichtlichen Stationen Bad Aiblings zu schildern. Auf die Plätze, fertig, los!


Onomatopoetikum ist voll mit grunzenden, bellenden, quakenden, muhenden, miauenden und krähenden Menschen. Sie präsentieren verschiedene Nationen und unterschiedliche Sprachen. Und sie überraschen mit den andersartigen Lauten der gleichen Tiere. Es ist ein Spiel aus Stimmen, Tönen, Lautmalereien und Hautfarben, wobei am Ende die Sprache nicht mehr wichtig erscheint. Ein Film über Tierlaute, Sprachen, Menschen. Lachen und Mitmachen erwünscht.


Der EDEKA-Laden seiner Eltern in der schwäbischen Provinz wird für Konstantin Faigle zum Fundus einer skurril inszenierten Zeitreise. In einem Labyrinth aus Bananenkisten, Brühharz und Caprimützen verbrachte der Filmemacher seine Kindheit und Jugend. Nun steht die Schließung des Gemischtwarenladens kurz bevor. So gerät der Blick in die eigene Vergangenheit zur Inventur einer Epoche mit ihren Sonnen- und Schattenseiten. Auf liebevolle und zugleich schonungslos ironische Weise macht der Regisseur seine Eltern zu Darstellern ihrer selbst und zu Protagonisten seiner eigenen, in traumhaften Bildern nachempfundenen Biographie. In einem Wechselbad zwischen surrealer und dokumentarischer Bildsprache wird das eigene Erwachsenwerden in Szene gesetzt. Vater und Mutter werden schließlich in einem letzten, aussichtslosen Rückzugsgefecht gegen normierte Supermarktketten zu Partisanen ihrer kleinen, verschrobenen Ladenwelt. 


Ihre Kühe trennen und verbinden Welten. Drei Viehzüchter und Milchhändler aus Mali und Burkina Faso besuchen ihre Kollegen in der Schweiz um sich die hiesigen Produktionsabläufe anzusehen. In den Kommentaren und Fachsimpeleien der Protagonisten über Milchleistung und Rinderzucht werden Ideen von Fortschritt, Wohlstand und Ökologie verhandelt. Scheinbar Vertrautes erscheint einem plötzlich so befremdlich wie den Zuhörern in der Sahelzone, die dem Bericht des Heimkehrers lauschen. Der Film versteht es, mit verblüffend gesetzten Kontrasten und einem wohl dosierten Maß an Witz beide Seiten einander nahezubringen ohne die gängigen Klischees zu strapazieren. Wie im Schöpfungsmythos der Fulbe, dem zufolge die Welt aus einem Tropfen Milch erschaffen wurde, öffnet der Film einen Kosmos rund um die Kuh.


In Stanislaw Muchas Filmen schwingt immer eine gewisse Freude an den Absurditäten der Wirklichkeit mit. So auch im letzten Film seiner Osteuropa-Trilogie. Reality Shock spielt im äußersten Osten Polens, im Dreiländereck zu Weissrußland und der Ukraine. Hier am Rande Europas, am Rande eines der letzten Urwälder, trifft Mucha seine Protagonisten: Waldmenschen, Leninverehrer, ehemalige Messerwerfer und Wahrsagerinnen. Über ihnen allen weht nun die blaue Fahne mit dem Sternenkranz. Allerdings erscheint diesen Zeitzeugen die EU-Erweiterung nicht weniger befremdlich als die UFO-Landung, die vor einiger Zeit in der Region beobachtet wurde. Mucha verwebt auch in diesem Film Dokumentation und Inszenierung und hält damit dem technokratisch „vereinten“ Europa sein eigenes, drastisch reales Bild vor Augen.


Gammesfeld liegt in Schwaben. Es gibt eine Kirche, einen EDEKA-Laden, eine Kneipe, eine Freiwillige Feuerwehr, ein Schotterwerk und eine berühmte Bank. Es ist die Zeit vor dem Euro. Aber das tut nichts zur Sache. Die Raiffeisenbank Gammesfeld ist die letzte Bank in Deutschland, die ohne Computer arbeitet. Der Bankdirektor Fritz Vogt ist gleichzeitig Sekretär, Buchhalter, Kassierer, Nebenerwerbslandwirt und Rentner. Die Rechenmaschine ist von 1938 und funktioniert mit einer Kurbel. Wenn ein Kunde Geld vom Konto abhebt, dann schreibt Herr Vogt alles säuberlich mit dem Füllfederhalter auf. Doch Sigrun Köhler und Wiltrud Baier entführen uns nicht in einen kuriosen Finanzkosmos, sondern in das Soziotop Gammelsfeld. Es geht auch um Befindlichkeiten und um Zeichen des Wandels. Ein Dorfporträt zwischen Ironie und Lakonie. Der 11. September findet fast nebenbei statt. Und am Stammtisch beim Bier hört man leise Udo Jügens: „Ich war noch niemals in New York ...“.


Ausgerechnet an seinem 40. Geburtstag erfährt Thomas Haemmerli vom Tod seiner Mutter. Die Wohnung der Verstorbenen entpuppt sich als schier undurchdringliche Müllhalde. Vier Wochen lang gräbt sich der Filmemacher zusammen mit seinem Bruder durch die Hinterlassenschaften der Messie-Mutter und füllt damit einen Container nach dem anderen. Seine Filmkamera, die er immer griffbereit hat, hilft ihm dabei, sich Schock und Trauer ein Stück weit vom Leibe zu halten. Mit dem Aufräumen fördert Haemmerli auch die eigene Familienchronik zutage. Ohne jeden Betroffenheitskitsch, aber mit viel Sinn für Galgenhumor und Spott zerlegt der Film eine Geschichte voller Verletzungen, Heuchelei und Geheimniskrämerei – und erzählt dabei, quasi durch die Hintertür, rund sieben Jahrzehnte Zeitgeschichte mit. Manch einem mag angesichts der radikalen Pietätlosigkeit Haemmerlis das Lachen im Halse stecken bleiben, doch verspricht diese temporeich erzählte "Dokukömodie" gleichzeitig ein befreiendes Vergnügen. Eine Zumutung im besten Sinne.


"Ob das nun gewaltig ist oder lächerlich, ist mir egal. Es ist eh ein hoffnungsloses Bemühen", kommentiert der Schweizer Aktionskünstler Roman Signer einen seiner im wahrsten Sinne merk-würdigen Versuche, den er am Kraterrand des Vulkans Stromboli in Gang setzt. Rote Bänder segeln durch die dichten Schwaden, ihre Choreographie bleibt voll und ganz der Natur überlassen. Irgendwann werden sie reißen. Denn das Scheitern ist Signers Aktionen stets eingeschrieben, ist elementarer Teil seiner inszenierten Explosionen und sonstigen "Versuchsskulpturen", die fernab von Museen oder Zuschauermassen stattfinden. Und gerade hier kommt der Humor ins Spiel. Denn was der Künstler letztlich immer wieder macht, ist Slapstick-Situationen provozieren – und das mit nahezu religiöser Ernsthaftigkeit und Sinn für eine ganze eigene Poesie. Signers Koffer ist nicht nur ein Künstlerportrait, sondern auch ein wunderbares Roadmovie, ein "Aufpicker" von Landschaftserlebnissen, der den Zuschauer von den Schweizer Ostalpen über den Stromboli und Polen in die magische Landschaft Islands entführt.


Angela Merkel, George W. Bush, Nicolas Sarkozy & Co. aus ungewohnter Perspektive. The Red Carpet ist eine Persiflage auf das Protokoll bei Staatsempfängen, wie sie überall auf der Welt stattfinden und wie man sie jeden Tag im Fernsehen sehen kann: ritualisiertes Händeschütteln, "staatsmännisch" lächelnde Politikergesichter, symbolisches Gestikulieren. Hier aber wagt sich die Kamera unter die Gürtellinie des ordinären Fernsehbildes und zeigt das, was passiert, bevor diese Bilder entstehen - und was am Ende davon übrig bleibt.


Bei Stock-Car Rennen stoßen die Rennfahrer an Ihre Grenzen. Denn beinahe alles ist erlaubt: Rempeln, Drängeln, Stoßen, Rasen. Was zählt ist der Sieg. Der Film begleitet Stock-Car Fahrer, die in der Oberpfalz zur Bayerischen Meisterschaft antreten. Da ist Flo, der Titelverteidiger, oder sein Rivale Max und natürlich Claudia, die „eiserne Lady“. Sie tritt im Damenrennen an, hält aber nichts vom ewigen Vergleich zwischen Männern und Frauen in ihrem Sport - für sie gibt es nur Gegner. Auf der Piste fühlen sich die Fahrer frei und dieses Moment der Freiheit vermittelt auch der Film. Seine Protagonisten haben etwas gefunden, das sie glücklich macht. Claudia nennt das „den Gaul raus lassen“. Dieser Film zeichnet ein charmantes, vor allem aber rasantes Bild einer zerstörerisch anmutenden Sportart und ihrer bayerischen Helden, die mit ihren Autos wirken, als wären sie einem Mad Max Film entstiegen.


Für jeden tauglichen, männlichen Bürger in der Schweiz gilt die allgemeine Wehrpflicht. Ebenso gehört das Sturmgewehr und ein Päckchen Munition zu jedem wehrpflichtigen Schweizer. Michael Werder, Regisseur dieses Filmes, leistet seinen Dienst in der Schweizer Armee als Beleuchter beim Zentrum Elektronische Medien. Seinen Tarnanzug benötigt er dafür schon lange nicht mehr und auch Gefechtsfeldübungen muss er nicht leisten. Nichts liegt da näher, als das überflüssige Sturmgewehr abzugeben. Wohl ahnend, dass die Schweizer Militärbürokratie ihm bei diesem Entschluss einige Steine in den Weg legen würde, dokumentiert er seine Odyssee über Anträge, Gewissensprüfungen und Leumundserklärungen. Eine eidgenössische Posse aus einem Musterland der Demokratie, in dem wohl gilt: Hätte Wilhelm Tell sagen können, er gebe seine Armbrust ab, um fortan mit Äpfeln auf Tyrannenjagd zu gehen?


Ein Filmtagebuch über den Versuch, ein Praktikum bei einem Frührentner zu machen, der sich täglich am Frankfurter Flughafen eine Gruppenkarte für die U-Bahn kauft und dann am Fahrkartenautomaten den Reisenden anbietet, sie zu ihrem jeweiligen Reiseziel zu begleiten – für eine kleine Kostenbeteiligung, etwas günstiger als der eigentliche Fahrpreis. Mit abstruser Komik und experimenteller Filmsprache beleuchtet dieser Dokumentarspielfilm die Befindlichkeit des Existenzgründers zwischen Generation Praktikum und Hartz IV. Die Geschichte verschiedener Überlebenskünstler auf dem Frankfurter Flughafen bewegt sich schmerzhaft nah am Puls der Sozialstaatsendzeit.


Hamburg. Eine Wohnung, ein Mann, eine Nacht, eine Biografie. In Einzelheiten deckt sich ein Leben auf wie ein offenes Kartenspiel - Blatt um Blatt, Jahr für Jahr. Wolli alias Wolfgang Köhler, ehemals Pornokinobesitzer und Bordellier in Hamburg, erzählt seine Geschichte, wie ihn das Schicksal von Waldheim in Sachsen bis nach St. Pauli führte. Er hat Frauen geliebt, und er hat Frauen geschlagen und keiner auf dem Kietz konnte ihm was vormachen. Heute lebt er zurückgezogen mit seiner Frau am Stadtrand von Hamburg, verbringt die Zeit als Zeichner und Dichter. Unverhohlen und offen spricht er über den abgründigen Alltag des Sexgeschäftes. Erzählungen, Erlebnisse, Höhen und Tiefen spiegeln sich in seinen Skizzen und Zeichnungen. Seine Gedankenwelt und seine Bilder sind besetzt mit Motiven des Rotlichtmilieus: den Luden, den Dirnen, den Perversen. Ein Leben gelebt jenseits der Konvention bricht sich mit unserer Vorstellung von der Halbwelt. Wolli selbst macht sich mit seiner schonungslosen Offenheit zum Narren, der seinen Mitmenschen die eigene Moralkeule um die Ohren haut.