Do, 24. September, 19.30 Uhr


D 2006, 99 Minuten,

Buch, Regie: Gerd Kroske
Kamera: Dieter Chill
Ton: Jens Pfuhler
Produktion: realistfilm, MDR
Redaktion: Katja Wildermuth, Beate Schönfeldt (MDR)


1990 begann Gerd Kroske mit einem Porträt über die drei Leipziger Straßenkehrer Gabi, Henry und Stefan. 1996 suchte er sie wieder auf. Weitere zehn Jahre später folgt der letzte Teil dieser Trilogie. Es ist eine nie geplante Langzeitbeobachtung geworden, "schon, weil ich mir mit jedem Film einen glücklichen Ausgang wünschte". Doch glückliche Ausgänge sind in dieser Welt am unteren Rand der Gesellschaft eher selten. Jahrelange Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme und Knast haben alle Energie abgeschliffen. Der Zusammenhalt von früher ist im täglichen Überlebenskampf auf der Strecke geblieben. Indem Kroske seinen Protagonisten auf Augenhöhe und mit erkennbarem Respekt begegnet, gibt er ihnen die Würde zurück, die ihnen als Aktenzeichen auf dem Sozialamt oder als bloße Nummer im anonymen Urnengrab genommen worden ist.


Das Verschwinden der Zeit

(Junge doks)

Fr, 25. September, 11.00 Uhr


D 2008, 75 Minuten,

Buch, Regie, Kamera: Ina Borrmann
Kamera: Sebastian Hattop, Johannes Kaltenhauser, Susan Gluth
Ton: Günter Strebl
Musik: Simon Stockhausen
Produktion: Ina Borrmann, MDR,
HFF München
Redaktion: Katja Wildermuth (MDR)


Mit 16 erlebte Ina Borrmann ihre erste große Liebe. Er war ein verheirateter Mann und wesentlich älter. Für sie war die Liebe damals nicht zuletzt ein Mittel zur Selbstfindung und zur Entdeckung des eigenen Körpers. Zwanzig Jahre nach dem rauschhaften Taumel der Gefühle kehrt sie zurück an die Orte der Erinnerung, um schließlich festzustellen: "Wie wenig wir festhalten können, und wie viel ständig in Vergessenheit gerät." Es führt kein Weg zurück in die eigene Jugend; was bleibt ist der Versuch einer Annäherung. Dafür nutzt Ina Borrmann unterschiedlichste filmische Techniken und entwickelte sogar eigens eine Röhrenkamera, um auch in der Bildästhetik einen Ausdruck ihres damaligen Lebensgefühls zu finden. Den Kommentar aus dem Off spricht sie selbst. In ihm schwingt die schwärmerische Befangenheit des Teenagers genauso mit wie die Distanz der erwachsenen Frau. Damit holt der Film "dieses warme Gefühl" von damals in die Gegenwart und macht gleichzeitig klar, dass die Welt der eigenen Jugend ein verlorenes Paradies bleibt.


Im Zentrum von Berlin entsteht das Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg ermordeten Juden Europas. Vom September 2003 bis Herbst 2007 begleitet die Filmemacherin Gerburg Rohde-Dahl den Bau des Mahnmals. Beobachtungen vom Setzen der ersten Stele bis ein Jahr nach der Eröffnung der Gedenkstätte. Auf der Straße fordert sie Besucher und Passanten zum Gespräch heraus. Ihr gelingt dabei ein erstaunlicher Einblick in die deutsche Gefühlswelt und die Haltung der Deutschen zu ihrer Geschichte. Parallel dazu geht sie ihren eigenen Erinnerungen nach: als die „glücklichsten Jahre“ ihrer Kindheit beschreibt sie die Zeit von 1940-1945 im besetzen Polen an der Ostsee – 50 km entfernt von einem Konzentrationslager. Ein Film über Schuldgefühle, die problematische Identität als Deutsche(r) und die Verantwortung angesichts persönlicher und kollektiver Geschichte.


Was bleibt eigentlich von der Identität eines Menschen, wenn man ihm sein Gedächtnis nimmt? Was passiert, wenn das eigene Leben nicht mehr als kohärentes Ganzes erscheint, sondern nur noch aus Inseln der Erinnerung besteht? Wie ist das, wenn man sich konzentrieren muss, um das eigene Kind nicht mit falschem Namen anzusprechen? Kristina in der Schmitten hat einen sehr persönlichen Film über die eigene Mutter gemacht, in dem sie sich auch immer wieder selbst ins Bild setzt. Sie ist nicht nur Regisseurin, sondern vor allem auch Tochter. Die Erinnerungen der Mutter an einschneidende Momente ihrer Biographie – die traumatische Flucht aus Schlesien, Ehe und Kinder, die Scheidung – haben der zersetzenden Kraft ihrer Alzheimer-ähnlichen Krankheit zumindest zum Teil trotzen können. Dennoch entgleiten ihr von Tag zu Tag immer mehr Personen, Orte und Zusammenhänge, die in den Nebeln einer immer diffuseren Vergangenheit verschwinden. So bleibt der alten Dame nichts anderes übrig, als sich an den stark ritualisierten Alltag im Seniorenwohnheim zu klammern.


"Wenn man früher stirbt, wird man nicht so alt." Sigrun Köhlers Großvater lebt immerhin seit ganzen einhundert Jahren - und das auch ohne Ginseng und Tigerkraut. Im Jahr 1900 geboren, war er sein Leben lang Bauer in einem schwäbischen Dorf. Jetzt schlägt er die Zeit und die Fliegen tot. Während manch eine "Sache von früher" Opa Köhler nicht mehr so bedeutsam erscheint, um sie mittels Jahreszahlen fassen zu können, erfreuen die kleinen Genüsse des Alltags, wie das rituelle Achtele Wein, das Herz des alten Herren. Ein kurzer Dokumentarfilm über hundert Jahre und einen Tag.


Im Jahr 2000 stirbt die Hollywooddiva Hedy Lamarr. Trotz ihrer glänzenden Erfolge verbrachte sie die letzten drei Jahrzehnte ihres Lebens in der suburbanen Anonymität Floridas. Das Telefon wurde für sie zur einzigen Verbindung zur Außenwelt. Das Telefon ist auch das strukturierende Element dieses Films. Interviews sind als Ferngespräche inszeniert und führen wie eine nostalgische Konferenz zwischen den Protagonisten durch die Zeit. Selbst Hedy Lamarr meldet sich zu Wort. Erzählt wird der Film aus der Perspektive ihres Sohnes, der versucht, das bruchstückhafte Bild seiner Mutter zu vervollständigen und dabei entdeckt, dass die einst für ihre Schönheit gefeierte Frau ein Doppelleben als visionäre Erfinderin führte. Ein ungewöhnliches Leben – selbst für Hollywood!


Halle an der Saale vor 20 Jahren. Tino baut sein erstes eigenes Skateboard nach Anleitung einer DDR-Heimwerkerzeitschrift. Kurze Zeit später, nach der Wende, trifft er auf Blochi und andere Freunde, die mit Plastikboards aus dem "Westen" durch die Neubaugebiete ziehen. Skateboardfahren wird auch in der ehemaligen DDR Teil der Jugendkultur und ist bis heute ein ungebrochener Trend, der Lebenswege formt. Der Film von Denis Thürer zeigt einen jugendlichen, unbeschwerten Blick auf den gesellschaftlichen Wandel in der DDR und auf eine Szene, in der das "Brett" das Leben bestimmt. Tino jobbt heute in einem Skateboardladen, Günni ist Profiskater und Blochi fährt mit seinem Skateboard durch Hollywood, er arbeitet als 3D-Artist in den USA. In kontrastierenden Rückblicken bekommt man einen Eindruck davon, wie sich das Freizeitverhalten der Jugendlichen verändert hat, wie einfache T-Shirts von Markenklamotten abgelöst und aus Straßenbahnschwellen Skateparks wurden.


Für diesen Film musste Sophie Narr wieder die Schulbank drücken. Wochenlang beobachtet die Regisseurin in Berlin-Wedding Erstklässler im Unterricht, auf dem Pausenhof oder auf dem Nachhauseweg. Einfühlsam, manchmal tragisch und manchmal humorvoll beschreibt der Film die Welt aus Sicht der Kinder. Die haben neben den normalen Stolpersteinen für ABC-Schützen auch noch damit zu kämpfen, dass sie die Unterrichtssprache Deutsch oft nur schlecht sprechen. Die Schüler stammen aus nigerianischen, bosnischen oder türkischen Familien. Zur Schule gehen heißt für sie, sich täglich damit konfrontiert zu sehen, dass sie anders sind. Der alltägliche Kampf um Anpassung und Leistung wird von der Kamera konsequent aus dem Blickwinkel der Erstklässler eingefangen. Man identifiziert sich mit den kleinen Protagonisten und fühlt sich in deren Welt ganz unmittelbar ein. Der damit vollzogene perspektivische Zeitsprung eröffnet einen ganz eigenen Blick auf die multikulturelle Realität der Großstadt Berlin.


Wenn aus Fremde Heimat werden soll: Nach zwanzigjähriger Vorbereitungszeit nahm man im Juni 2006 in Garzweiler II, dem größten Braunkohletagebau Europas, die Arbeit auf. Doch bevor sich die gewaltigen Bagger durch die Landschaft fräsen konnten, mussten einige gewachsene Ortschaften umgesiedelt werden. Auch für die Bevölkerung Otzenraths hieß es, ihr altes Zuhause gegen ein neues "todschickes neues Dorf" einzutauschen. Nachdem Jens Schanze in Otzenrather Sprung (2001) den beginnenden Abschied der Dorfbewohner von ihrer vertrauten Umgebung begleitet hat, kehrt er nun zurück zu den Protagonisten von damals. Der Film kontrastiert die Träume und Ängste von damals mit der Realität sechs Jahre später. Mit mehr oder weniger Zuversicht versuchen die Otzenrather, in Neu-Otzenrath Fuß zu fassen und die alte Dorfgemeinschaft auch ohne Kneipe und Kirche "hinüber" zu retten. Unterdessen werden die letzten Überreste der alten Heimat weggebaggert.


Preise:
PHOENIX-Dokumentarfilmpreis 2009.

Monumentale Bergpanoramen am Schweizer Berninapass über dem in Zeitraffer Wolken, Nebelschwaden und Unwetter aufziehen. Diese Bilder machen das sichtbar, was die Momentaufnahme in Echtzeit nicht einzufangen vermag: das Vergehen der Zeit. Gleichzeitig entwickeln die unkommentierten, naturgewaltigen Bilder einen meditativen Sog und schaffen so Raum für freie Assoziationen. Gedreht wurde auf dem inzwischen nur noch selten genutzten 65mm- Breitwandformat, das mit seiner ungewöhnlichen Detailtiefe der Sogwirkung der Naturaufnahmen noch mehr Spielraum und Größe verleiht. Der Kurzfilm ist der erste Teil eines Projekts mit deutschen und schweizerischen Kamerastudenten über die vier Elemente. Ein zweiter Teil über das Element Wasser ist bereits in Arbeit.


Im richtigen Leben sind sie Postangestellte, Schreiner oder Monteure. Doch jedes Jahr am Schweizer Nationalfeiertag finden sich die Bergler im Muotatal (Kanton Schwyz) - mit Sensen, Heugaren und Holzschuhen ausgestattet – ein, um in beschwerlicher Arbeit die Wildheu-Ernte einzubringen. Jede der über Jahre eingeübte Bewegung muss sitzen, denn die sogenannte "Wildheuer" an den steilen Berghängen ist nicht ungefährlich. Im Winter werden die 100 kg schweren Heuballen dann in einer halsbrecherischen Schlittenfahrt in Richtung Tal abtransportiert. Was einst existentielle Notwendigkeit war, dient heute vornehmlich der Traditions- und Landschaftspflege. Es ist die Natur, die das Arbeitstempo der Bergler vorgibt, und Erich Langjahr nimmt ihren Rhythmus wunderbar auf. Immer wieder saust die Sense durchs hohe Gras, wird kurz nachgeschliffen, um sich Stückchen für Stückchen weiter vorzuarbeiten. Geduldig und voller Hingabe beobachtet diese "alpine Saga" Menschen bei ihrem Handwerk – und bleibt dabei über 93 Minuten hochspannend.


Ein Foto ist Ausgangspunkt für diesen Film. Es zeigt drei Männer in einem Berliner Gerichtssaal: Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler. Sie sind Anwälte der linken außerparlamentarischen Opposition, Mahler sitzt auf der Anklagebank. Die Drei sehen die BRD als restriktiven Staat, der politische Freiheiten unterdrückt. Sie wollen eine andere Republik – über den Weg dorthin sind sie sich uneins. Was sie damals verband, trennt sie heute. Der eine ist SPD-Bundesinnenminister a.D., der andere das linke Gewissen der Grünen und der dritte Anführer der bundesdeutschen rechten Szene. Birgit Schulz verfolgt in ihrem Film die Biografien der drei Männer, die sich so weit auseinander gelebt haben. Anhand von Interviews, Fotos und Archivmaterial lässt sie aufscheinen, was sie prägte, was sie einte und wo sich ihre politischen Wege trennten. Ein dokumentarischer Blick auf das Leben dreier "Political Animals" in einer wechselvollen politischen Arena.


Meist wird eine Generation aus einem zeitlichen Abstand betrachtet. Dieser Film blickt aus ihr heraus. Seine vier Protagonisten, alte Freunde – alle um die 30 Jahre alt, stecken mittendrin im Leben. Der Regisseur ist einer von ihnen. Gemeinsam mit seinen drei Schulfreunden begibt er sich auf die Suche nach dem verbindenden Lebensgefühl seiner Altersgruppe. Was er entdeckt, charakterisiert die "Generation undecided". Trotz der guten schulischen, familiären und gesellschaftlichen Ausgangsposition sind die Protagonisten des Films orientierungslos in ihrer Lebensplanung, ständig geplagt von dem dumpfen Gefühl, sie hätten etwas verpasst oder müssten etwas aufholen. Zu begreifen, dass das Leben längst begonnen hat, scheint für die Freunde die härteste Erkenntnis zu sein. Nacheinander besucht der Regisseur seine alten Schulkameraden. Am Ende treten alle noch einmal eine Reise an, mit einem gemeinsamen Ziel ...


Januar 1945, die Rote Armee ist auf dem Vormarsch. Das NS-Regime ist dabei, die Konzentrationslager zu räumen, in endlosen Kolonnen werden die Lagerinsassen "evakuiert" und in den Winter getrieben. Mit den Todesmärschen beginnt das letzte Kapitel der Judenvernichtung durch Nazi-Deutschland. Palmnicken, heute Jantarny: die Räumungsaktion des Lagers Stutthof durch SS und Lagerwachen beginnt. 7500 Gefangene, meist junge jüdische Frauen, werden an die Bernsteinküste hinaus auf das zugefrorene Meer getrieben und erschossen. Nur wenige überleben durch Zufall oder können fliehen. Maria Blitz ist eine von ihnen, vielleicht ist sie mit 90 Jahren die Letzte, die heute noch am Leben ist. Julia Bourgett verwebt Marias Erzählungen und die Berichte anderer Zeugen zu einem bewegenden Zeitdokument. Der Film nähert sich nach über 60 Jahren den Orten dieses Verbrechens, sucht nach Spuren der Vergangenheit, die sich bis in unsere Gegenwart erstrecken.


Russland ist zweifellos zu groß, um es in fünf Minuten abzuhandeln – es müssen zumindest acht sein. Zumal wenn man insgesamt 194 Stunden mit dem Zug unterwegs ist. Nach einer Minute bekommen die Regisseurin und ihr Kameramann ein Stativ gebracht, nach fünf Minuten wird es ihnen wieder weggenommen. Und davor, dazwischen und danach? Bilder von Kosmonautenfresken, Samowaren, Plastiktüten mit "Welcome to America"
-Aufschrift  und selbsternannten bayerischen Gesangsakrobaten auf einer ominösen Abschlussfeier. Eigentlich weiß niemand so recht, worum es wirklich geht. Vermutlich um die vergehende Zeit – und um die Liebe zu Olga, die sich dem Schärferegler der Kamera hartnäckig entzieht.


Was ist Zeit? Auch dieser Kurzfilm kann die Frage nicht beantworten. Doch er versucht in Textfragmenten und spielerischen Montagesequenzen, dem Rätsel näher zu kommen. So läuft im Film die Zeit rückwärts oder doppelt so schnell wie in Wirklichkeit. Gleichzeitig ist alles bereits Vergangenheit. „Enjoy it while it is there“, rät eine Frauenstimme und meint damit die Zeit, die man hat. Die Zeit kümmert sich darum wenig. Sie ist einfach da.


Harry Pross, geboren 1923, Sozialwissenschaftler, Dozent an der Hochschule für Gestaltung Ulm, Chefredakteur bei Radio Bremen, Professor an der Freien Universität Berlin, Mitglied des PEN-Zentrums der BRD, lebt heute als Publizist im Allgäu. Er hat ein bewegtes und ereignisreiches Leben hinter sich. Die Filmemacherin, Noemi Schneider, ist 60 Jahre jünger. Es entsteht ein dokumentarisches Porträt: chronologisch, geradlinig und frei von Eitelkeiten. Trotz der Kürze von 22 Minuten transportiert der Film mittels Ein-, Rück- und Ausblicken vierundachzig rege Lebensjahre ausgefüllt mit politischen Ereignissen, hierarchischen Zwängen und anarchistischer Gelassenheit.


Ein Wertstoffhof in München. Hier werden nutzlos gewordene Gegenstände entsorgt. Doch manche werden wieder aussortiert, ausgestellt und zum Kauf angeboten. Pauline Roenneberg kratzt in ihrem Schwarzweißfilm an der Patina der Objekte und legt verborgene Geschichten dahinter frei. Als hätten der alte Sessel, die einfache Frühstückstasse, der alte Koffer eine Erinnerung an früher. Aus welcher Zeit erzählen die Dinge, und was haben sie erlebt? Haben sie eine Zukunft? Vielleicht findet manch eine Tasse ein neues Zuhause – oder sie wird, weil vollends wertlos geworden, zum Müll erklärt und zerstört. Ein Film voll mit altem Krempel.


Der regelmäßige Besuch beim Friseur gehört für die 80jährige Frau Sigmund zu den alltäglichen Ritualen. Auch kurz nach dem Tod ihres Mannes lässt sie sich von Frau Zimmermann die Dauerwelle legen und schüttet ihr dabei ihr Herz aus. Drängende Fragen, etwa nach dem Verbleib des Herzschrittmachers nach der Feuerbestattung oder ob Frau Sigmunds Mann ihr tatsächlich als Geist erscheint, werden von der Friseurin mit routinierter Leichtigkeit beantwortet. Der Friseurbesuch spendet Hoffnung und ermöglicht der Stammkundin, die schönen Erinnerungen an die vergangene Zeit zurückzuholen. So geht das Leben weiter, und die nächste Kundin wartet bereits auf die nächste Dauerwelle ... Für die Dauer eines Friseurbesuchs nimmt sich dieser Film Zeit für seine Protagonisten und gewährt dabei Einblick in ein ganzes Leben.


Preise:
New Berlin Filmaward “Bester Kurzfilm“.

Heises Film ist eine Montage aus Filmmaterial der vergangenen zwanzig Jahre. Es sind Dokumente einer Zeitenwende, die der Regisseur im Laufe diverser Dreharbeiten im Osten Deutschlands gesammelt hat. Der Zuschauer begegnet hier Fritz Marquard, wie er "Germania Tod in Berlin" von Heiner Müller inszeniert. Er wohnt einer Massendemonstration auf dem Alexanderplatz im November 1989 bei. Er verfolgt eine Einwohnerversammlung in Hessenwinkel und eine Sitzung der neu gewählten Volkskammer. Er wird Zeuge einer Filmvorführung, die nach einem Zusammenstoß zwischen rechten und autonomen Jugendlichen eskaliert. Dies alles sind Szenen aus einer aktuellen Vergangenheit, zusammengefügt zu einer Collage, die bei jedem andere Assoziationen und Erinnerungen weckt. "Das, was übrig geblieben ist, belagert meinen Kopf. Darin setzen sich all diese Bilder immer wieder neu zu etwas anderem zusammen, als zu dem, für das sie ursprünglich gedacht waren. Sie bleiben in Bewegung. Sie werden Geschichte. Das Material bleibt unvollständig. Es ist, was ich aufgehoben habe, was mir wichtig blieb. Mein Bild."


Preise:
Grand Prix Internationaler Wettbewerb FID Marseille 2009