4. bis 7. März 2027

2026

18. Nonfiktionale: MEHR ALS DER MENSCH

Ob Maß aller Dinge, Identifikationsfigur oder naheliegendes Sujet: In der Regel ist der Mensch das Zentrum der filmischen Erzählung. Doch weitet man den Blick, öffnet sich der Raum: Natur und Tier lösen sich aus dem Bildhintergrund. Sie können zu eigenständigen Protagonisten des Films werden oder treten mit Menschen in eine komplexe Beziehung. 

Wie lassen sich Natur und Tier als Hauptfiguren in einem Dokumentarfilm etablieren? Wie gelingt es, eine ganz eigene Perspektive jenseits des anthropozentrischen Blickwinkels zu finden? Welche filmischen Mittel kommen dabei zum Einsatz? Wie lässt sich die ungleiche Beziehung zwischen Mensch und Natur darstellen? Welche Rückwirkung hat dies auf unser Selbstverständnis und unsere Wahrnehmung der Welt? 

Unter unserem aktuellen Motto „Mehr als der Mensch“ zeigen wir dokumentarische Arbeiten, die den Fokus weg vom menschlichen Handeln und Sein, hin zu Tier und Natur richten oder aber deren Verhältnis zum Menschen beleuchten. 

Filmprogramm 2026

Die Filme 2026 nach Titeln

Die Filme 2026 nach Spieltagen

 


 

Preisträgerfilme

Im Rahmen der Preisverleihung vergab unsere Jury, bestehend aus Dagmar Mielke, Max Sänger und Agata Wozniak folgende Preise:

Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling

Der mit 2.000 Euro dotierte Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling ging an:

Tiere und andere Menschen
von Flavio Marchetti


Begründung der Jury:

Da ist die Schimpansin Rosi, die zaghaft ihre Hand durch die Gitter steckt. Oder die Tierpflegerin, die einem Papagei aus einem Kinderbuch vorliest. Aber manchmal kommt jede Hilfe zu spät. Ein Schwan muss eingeschläfert werden. Regisseur Flavio Marchetti erzählt mit viel Empathie von Tieren und anderen Menschen, von ihren Begegnungen und komplexen Beziehungen. Er führt uns behutsam in das Wiener Tierschutzhaus, in dem die unterschiedlichsten Geschöpfe gestrandet sind und wo sie ärztlich behandelt, aufgepäppelt und nach Möglichkeit auch wieder weitervermittelt werden.  Nach und nach entfaltet sich das vielschichtige Bild einer Institution, in der sich das Verhältnis von Mensch und Tier in all seiner Ambivalenz ergründen lässt. Ohne Kommentar, ohne Interviews, rein durch die Kraft der dokumentarischen Beobachtung, klug montiert, zieht uns der Regisseur in seine Erzählung. Es sind die kleinen Gesten, Blicke und Sätze, die uns nach der Vorführung nicht aus dem Kopf gehen. Der Film über den Wiener Tierschutzverein beweist, was Kino kann.

 

Südkino Kurzfilmpreis

Der von der Südkino Filmprdouktion gestiftete Kurzfilmpreis in Höhe von 500 Euro ging an

Oro Blanco

Gisela Carbajal Rodríguez


Begründung der Jury:

Das Batteriegold Lithium – ein zentraler Rohstoff für die Energiewende. Die explodierende Nachfrage treibt internationale Unternehmen dazu, den Abbau immer weiter auszudehnen. Was das heißt, erzählt Gisela Carbajal Rodríguez in „Oro Blanco“, „Weißes Gold“.  Mit großen Bildern, die uns in die Hochebene der Salinas Grandes entführen, poetisch, aber ohne zu verklären, zeigt sie uns, wie der Rohstoffhunger das Überleben der indigenen Gemeinschaften bedroht. Uns hat beeindruckt, wie behutsam und respektvoll sie ihren Protagonisten Raum gibt. Sie erzählen von ihren Ängsten und von ihrer Kritik, mit großer Stärke vorgetragen. Wir sehen und hören zu. Können den Blick nicht abwenden.  Eine klare filmische Botschaft in 23 Minuten, die Verpflichtung, eine nachhaltige Zukunft für alle zu sichern. Sie ist dringlich, in diesen Zeiten mehr denn je.

 

Bürgerpreis

Der mit 500 Euro dotierte Bürgerpreis wurde von der Schülerjury betehend aus Josefine Ban und Fanny Ostern verliehen an den Film

Stille Beobachter
Eliza Petkova


Begründung der Jury:

Menschen sind hier Randfiguren – was auch am gewählten Filmformat 4:3 liegt. Stattdessen begibt sich die Kamera auf Augenhöhe der tierischen Protagonisten und rückt ganz nah an sie heran. Sie sind hier nicht einfach nur Tiere, sondern der Aberglaube der Dorfbewohnerinnen und -bewohner verleiht ihnen eine tiefere Bedeutung. Dadurch, dass jedes Tier eine eigene musikalische Stimme bekommt, werden sie alle in ihrer Einzigartigkeit herausgehoben. Der Film „Stille Beobachter“ von Eliza Petkova schafft es, uns 95 Minuten lang tief in die Welt der Tiere eintauchen zu lassen, durch ihre Augen zu sehen und eine faszinierend andere Kultur zu erleben.

Wir gratulieren den Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich!!

 


 

Jury 2026

Dagmar Mielke

ist seit 2004 in der ARTE-Redaktion des Rundfunk Berlin-Brandenburg u.a. für den künstlerischen Dokumentarfilm zuständig. Zuvor war sie für verschiedene andere Redaktionen sowie als Autorin und Regisseurin tätig. Dokumentarfilme aus ihrer Redaktion sind regelmäßig auf großen Festivals vertreten und wurden vielfach ausgezeichnet. Darunter auch der letztjährige Nonfiktionale-Preisträgerfilm „Im Prinzip Familie“ von Daniel Abma, der anschließend mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

Max Sänger

ist Regisseur, Kameramann und Editor. Er studierte Dokumentarfilm an der HfbK in Hamburg. Sein Master-Projekt „Kayu Besi“ lief auf zahlreichen Festivals. Im Zentrum seines künstlerischen Interesses steht die Beziehung des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt. Max Sänger ist Mitbegründer des Gorgofilm Kollektivs und seit 2022 Stipendiat im Künstler*innenhaus Vorwerk-Stift / Galerie 21 in Hamburg.

Agata Wozniak

lebt und arbeitet als Filmemacherin und Editorin in München. Sie studierte an der HFF München mit Schwerpunkt Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Parallel zum Studium nahm sie an Film-Kursen in Lodz/Polen teil. Dabei entdeckte sie ihr Interesse an der Filmmontage, die bald zu ihrer Profession wurde. 2016 gewann sie mit Ihrem Film „Es war einmal“ den Nonfiktionale Preis der Stadt Bad Aibling. Als Editorin wurde sie für den Dokumentarfilm „Instructions for Survival“ mehrfach ausgezeichnet. An der HFF München betreut sie Studierende im Schnitt ihrer Studien- und Abschlussfilme.

Carte Blanche 2026

der letzte Programmplatz unseres Festivals wird mit einem Film bespielt, der von einem befreundeten Filmfestival ausgewählt und moderiert wird. Auf diese Weise bieten wir einem der vielen sehens- und besuchswürdigen Filmfestivals eine Bühne, um sich zu präsentieren und unser gemeinsames Herzensanliegen – den Dokumentarfilm – mit uns zu feiern.

In diesem Jahr hatten wir das Fünf Seen Festival mit dem Film “Bergfahrt - Reise zu den Riesen” bei uns zu Gast. 

Nonfiktionale meets Bergwerk

 

An zwei Abenden hielt die Nonfiktionale wieder Einzug ins Aiblinger Jugendzentrum JiMs Bergwerk, diesmal mit einer Fotoausstellung und einer Installation von Leila Fatima Keita, Felix Klee und David Stockinger. 

2 Augen 15 Kameras

Was passiert, wenn die 15 Kameras des Google-Streetview-Autos auf die Augen eines Tieres treffen? Rentiere, Spinnen, Frösche, Schwarzbären, Hasen – sie alle finden sich vor, auf oder unter dem Google-Auto wieder und werden in Online-Panoramen festgehalten. Eine Screenshot-Ausstellung über die Begegnungen zwischen Tier und Reproduktionsmaschine.

Sadleriana Bavarica 

In einem Münchner Park lebt eine kleine Population von Wasserschnecken, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt – ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Die Installation kombiniert Tonaufnahmen mit Unterwasser-Experimenten und nähert sich so von eiszeitlichen Tiefen bis ins Innere des Schneckenhauses. Dazu bilden Bilder aus dem Lebensraum des Tiers die Grundlage für ein sogenanntes „Autostereogramm“, das die Schnecke vor unseren Augen in dreidimensionaler Gestalt erscheinen lässt. 

In Anwesenheit der Künstler*innen Leila Fatima Keita, Felix Klee, David Stockinger