12. bis 15. März 2026

2025

17. Nonfiktionale: ANS LICHT

Dokumentarfilm bedeutet Sichtbarkeit. Menschen und ihre Geschichten ins Rampenlicht zu rücken, ist für Filmschaffende Alltag und moralisches Dilemma zugleich. Insbesondere wenn bisher geheim Gehaltenes oder Verborgenes öffentlich gemacht wird. Im filmischen Raum werden in Dunkelheit getauchte Ecken hell ausgeleuchtet. Bisher Unausgesprochenes wird laut. Verfälschtes wird ins richtige Licht gerückt. Der Drehprozess wird so zum Katalysator oder Korrektiv.

Wie gelingt dabei der Spagat zwischen Respekt vor der Privatsphäre und einem begründeten gesellschaftlichen oder politischen Interesse? Wo gilt es, aufzudecken und Transparenz auch gegen Widerstände herzustellen? Wo müssen filmische Mittel gefunden werden, um die Identität der Protagonisten bewusst zu verbergen, um sie zu schützen?

Mit unserem Motto "Ans Licht" zeigen wir Filme, die sich im Spannungsfeld von Privatsphäre und Öffentlichkeit, Transparenz und Verschleierung, Geheimnis und Enthüllung positionieren und aus der Reibung, im Privaten wie auch im Politischen, Funken schlagen.

Filmprogramm 2025

Die Filme 2025 nach Titeln

Die Filme 2025 nach Spieltagen

 


 

Preisträgerfilme

Im Rahmen der Preisverleihung 2025 vergab unsere Jury, bestehend aus Aldo Gugolz, Michelle Koch und Michael Palm folgende Preise:

Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling

Der mit 2.000 Euro dotierte Nonfiktionale-Preis der Stadt Bad Aibling geht an:

Im Prinzip Familie 
von Daniel Abma


Begründung der Jury:

Die Gründe für ihren Aufenthalt sind unterschiedlich, doch allen mangelt es an Stabilität, Orientierung und Zuneigung. Was ihre Eltern ihnen nicht zu geben vermögen, versuchen drei Erzieher:innen zu kompensieren, die fünf Kindern in einer Wohneinrichtung in idyllischer Natur ein temporäres Zuhause bieten und dabei im Schichtdienst weitaus mehr leisten als Wäsche waschen, Medikamente verabreichen, Schulbrote schmieren und Telefonate mit Behörden, Bildungsträgern und Eltern führen. Niemals bewertend, sondern stets respektvoll, empathisch und voller Anerkennung für die Ausdauer und Kraft, mit der sowohl die jungen als auch erwachsenen Protagonist:innen ihren Alltag bestreiten, Enttäuschungen, Stress und psychischem Druck standhalten, begleitet der Film diese „Familie auf Zeit“ über mehrere Jahre. Dabei gelingt es Daniel Abma ob der Schwere des Themas, die Ambivalenz des Lebens und die Herausforderungen von Beziehungsarbeit mit großer Leichtigkeit in der Schwebe zu halten. 

Der Film wird am Mittwoch, 26.03. um 19:30 Uhr noch einmal gezeigt!

 

Dedo-Weigert-Film-Kamerapreis

Der von Dedo-Weigert-Film gestiftete Sachpreis in Form einer Felloni-LED-Flächenleuchte, samt Zubehör geht an

Heute mit Zucker und morgen weiss ich noch nicht

von Annaka Minsch und Léon Hüsler
Kameramann: Balz Auf der Maur


Begründung der Jury:

Der Tod ist nah – buchstäblich um die Ecke. In einem Hospiz irgendwo in der Zentralschweiz vermisst der Film die Topografie einer Institution, in der die letzten Tage von Menschen begleitet und verwaltet werden. Die Kamera verharrt in Vor-Räumen, Korridoren und begrünten Innenhöfen des Hauses, sucht nie nach Sensationen und insistiert auf respektvoller Distanz. Ganz nah hingegen hören wir im Ton die Gespräche der Pfleger*innen mit Sterbenden, die wir nicht sehen: Sätze des Trosts, letzte Worte und Laute und gelegentlich die Aussicht darauf, dass es morgen vielleicht weiter geht. Auf diese Art entsteht ein kollektiver Dialog von Stimmen und geisterhaften Körpern zwischen Routine und Empathie, eingerahmt von den Räumen des Sterbehauses: Das Hospiz als rätselhafter Terminal. Ab und zu schleicht eine Katze um die Ecke. Wir gratulieren den Regisseur*innen Annaka Minsch und Léon Hüsler und besonders dem Kameramann Balz auf der Mauer zu dieser dichten meditativen Studie.

 

Lobende Erwähnung

Kamerafrau Laura Köhler nahm die lobende Erwähnung entgegen für

Heimweh

von Maja Bresink


Begründung der Jury:

Nach einem Bild von bunten Wiesenblumen könnte die Handlung am Anfang noch kurz ins Positive gehen. Doch dann verbergen Wände und Fensterläden eines alten verlassenen Hauses eine tiefe Verletzung im Halbdunkel. Köper und Seele verschliessen sich ab jetzt für lange Zeit der Aussenwelt. In ihrem Film HEIMWEH bringt Maja Bresnik behutsam Licht in eine dunkle Erinnerung. Die Zeit aber heilt von sich aus keine Wunden, wir müssen es selber tun, damit das rissige Haus irgendwann wieder bereit ist sich dem Licht zu öffnen. Mit HEIMWEH ist der Filmemacherin eine in sich stimmige poetische Metapher gelungen, die uns tief berührt und dazu anregt, Verletzungen ans Licht zu holen, damit sie genesen können.

 

Bürgerpreis

Der mit 500 Euro dotierte Bürgerpreis wurde von der Schülerjury betehend aus Elisa Englhauser, Lena Vidal und Sonja Schmid verliehen an den Film

Sieben Winter in Teheran
von Steffi Niederzoll


Begründung der Jury:

Der Film von Steffi Niederzoll rückt ein Thema in den Fokus, über das man hierzulande wenig weiß. Eine junge Frau wird zu Unrecht zum Tode verurteilt, nachdem sie aus Notwehr einen Mann erstochen hat. Die Zuschauer werden auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen. Über einen Zeitraum von sieben Jahren erleben sie den Kampf der schuldig Gesprochenen und ihrer Familie für Gerechtigkeit mit. Indem Tagebucheinträge, Interviews und heimlich gedrehte Handyaufnahmen ineinander verwoben werden, beleuchtet die Filmemacherin anhand einer Geschichte das frauenfeindliche System im Iran. „Sieben Winter in Teheran“ überzeugt durch das Erschaffen einer unmittelbaren Nähe zum Geschehen, weshalb er für uns ein würdiger Träger des Bürgerpreises ist.

Wir gratulieren den Preisträgerinnen und Preisträgern ganz herzlich!!

 


 

Carte Blanche 2025

In diesem Jahr war das Internationale Filmwochenende Würzburg und Katharina Schulz aus dem Leitungsteam des Festivals bei uns zu Gast. Im Gepäck hat sie den Film “Einhundertvier”, den diesjährigen Gewinner des Würzburger Publikumspreises. 


 

Jury 2025

Aldo Gugolz

arbeitete zunächst als Fotoreporter für Wochen- und Tageszeitungen in der Schweiz, studierte dann Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik an der HFF München. Er arbeitet als Produzent, Regisseur, Autor und Kameramann für Film und Fernsehen, lebt in Berlin und Luzern. Seine Firma Revolumenfilm hat ihren Sitz in Luzern. Mit dem Kinodokumentarfilm „Kühe auf dem Dach“ gewann er u.a. beim Dokumentarfilmfestival Visions du Réel den „Prix du Jury“ und erhielt eine Lobende Erwähnung bei der Nonfiktionale.

Michelle Koch

leitet die dfi – Dokumentarfilminitiative im Filmbüro NW. Vor ihrem Umzug im Herbst 2023 lebte und arbeitete sie in Wien als freiberufliche Autorin, Redakteurin und Programmgestalterin (u.a. für Filmfestivals und Kulturinstitutionen wie Berlinale, Diagonale, Viennale, Anthology Film Archives, Cinema Next). Sie veröffentlichte wissenschaftliche und journalistische Beiträge in zahlreichen Publikationen und ist Herausgeberin u.a. von „Österreich real. Dokumentarfilm 1981–2021″.

Michael Palm

gestaltete als Filmeditor und Sounddesigner bislang mehr als 25 vielfach ausgezeichnete Kinofilme und zahlreiche Kurzfilme. Seit 2001 ist er als Autor und Regisseur von Dokumentar- und Experimentalfilmen tätig. Sein abendfüllender Dokumentarfilm „Cinema Futures“ wurde 2016 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig uraufgeführt. Er ist Verfasser zahlreicher Publikationen zur Geschichte und Ästhetik von Film und Kino, war Filmkritiker und Lektor an der Wiener Filmakademie. Seit Oktober 2019 ist er Professor am Lehrstuhl Montage an der HFF München.


 

Nonfiktionale meets Bergwerk

 

An zwei Abenden beziehen wir im Aiblinger Jugendzentrum JiMs Bergwerk unser nonfiktionales Außenquartier. Dort kann man, zu vorgerückter Stunde, Diskussionen bestens vertiefen und unser aktuelles Motto aus einem anderen, hochspannenden Blickwinkel betrachten.

 

fake it till you break it

Der Papst in weißer Rapper-Daunenjacke oder Olaf Scholz, der ein AfD-Verbot verkündet - manipulierte, täuschend echt wirkende sogenannte Deepfakes fluten das Internet. Künstliche Intelligenz macht’s möglich. Doch solche viral gegangenen prominenten Fälle stellen nur die Spitze des Fake-Eisbergs dar. Mehr als 90 Prozent der Deepfakes haben sexualisierte Gewalt gegen Frauen zum Thema. Die im Rahmen des Medienkunstpreises der HFF entstandene Videoinstallation „fake it till you break it“ des Künstlerinnenkollektivs Hybris thematisiert Machtstrukturen mit Blick auf bildbasierte sexualisierte Gewalt, und das auf ebenso kritische wie humorvolle Weise.

In Anwesenheit der Künstlerinnen Felizitas Hoffmann, Theresa Hoffmann und Natalia Jobe